Parabel

Von Mutter zu Meinland

Eine Parabel

cf_unicefkids_03947 Mein Freund Lon ist 13 Jahre alt. Recht jung noch, besonders wenn man bedenkt, dass ich in einem Alter bin, in dem die Menschen im Mittelalter als Greise bezeichnet wurden. Aber Lon ist mein Freund. Ich bewundere ihn. Denn Lon hat recht früh angefangen sein Leben zu gestalten. Klar, als Kinder sind wir alle von unseren Eltern abhängig. Als Lon 10 Jahre alt war kam er in einer andere Schule, ins Gymnasium. Es war nicht die Schule die er gerne besucht hätte, aber ein guter Kompromiss. Den Schulwechsel nahm er als Anlass sich einiges zu überlegen – und da er ein praktischer Mensch ist, begann er auch gleich dies umzusetzen. Er nahm sich vor ab sofort seine Ziele selber zusetzen, für die Durchführung zu sorgen und jedem anderen von der Überwachung seines Lebens fern zu halten. Das lässt sich für einen überdurchschnittlichen intelligenten und sehr frühreifen Menschen schon denken, aber die Durchführung ist meist schwierig und brauch etwas Zeit. Es gelang auch Lon nicht sofort. Er musste erst lernen, das was er vor hatte auch wirklich zu machen. Er sagte sich z.B,

„Ich will nicht, dass meine Mutter mir Vorschriften macht“.

Aber er fing nicht an, mit seiner Mutter rum zu streiten, sondern er schaute, wo er Dienstleistungen seiner Mutter in Anspruch nahm. Also nähte er Löcher in seinen Klamotten lieber selber, liess sich nicht mehr in dem Auto zu seinen Freunden fahren, sondern nahm sein Fahrrad und ging zu Fuss, oder fuhr Bus etc. Er sorgte dafür, dass er in der Schule gut genug war um nicht aufzufallen und zu Hause übernahm er kleinere Arbeiten, die ihn zwar nicht wirklich einschränkten, aber seinen guten Willen zeigten. Nun ein Musterknabe wurde Lon nicht. Immer wenn es die Gelegenheit ergab, erkämpfte er sich kleine Freiheiten, denn gegen das Argument

„Ihr wisst doch, wenn ich das sage klappt das auch“

3632696213_605ea0de18 konnten seine Eltern nichts entgegen setzen. Als das Gespräch um das Taschengeld und um dessen Höhe ging, rechnete der Knabe seinen Eltern vor, was sie ausser dem eigentlichen Taschengeld noch für ihn ausgaben: Schulhefte, Kino, Süssigkleiten – da kommt einiges zusammen im Monat. Sein Vorschlag, den grössten Teil der Summe ihm direkt auszubezahlen und seiner Verpflichtung, dafür um nichts Weiteres zu betteln, war vernünftig und konnte diskutiert werden. Zum Schluss lag die monatliche Taschengeldzahlung unter dem, was er vorher total hatte – aber er brauchte nicht mehr zu fragen und es war sein Geld. Bevor er sich ein neues T-Shirt kaufte, versuchte er das alte zu flicken und er ging sorgsam mit seinen Sachen um. Es ist ja auch wirklich lustiger Geld für Vergnügungen auszugeben als für Klamotten.
Er unterwarf so seine Handlungen und Taten stets dem Ziel, selbständig sein zu dürfen. Es war für ihn nicht leicht und auch nicht für seine Eltern und auch Lehrer, denn stets war er bereit lang und freundlich und doch knallhart zu diskutieren. Und wenn er sein Ziel einen kleinen Schritt weiter zu kommen heute nicht gelang, fing er am nächsten Tag wieder davon an. Jetzt ist er 13 Jahre alt und geniesst extrem viel Vertrauen von seinen Eltern. Natürlich wissen die nicht, das er auch kifft. Aber er raucht keinen Joint wenn er am nächsten Tag Schule hat und seine Ausgangszeiten am Wochenende sind praktisch unbegrenzt. Er informiert seine Eltern wo er übernachtet und zwischen Freitag und Sonntag Nacht ist Lon da wo er sein möchte.

4272093236_5e70bf46b7 Gegenüber seinen Alterskollegen lebt er vollkommen selbstbestimmt und er ist auch überzeugt, dass er alles realisieren kann, was er möchte. Er kann es auch. Denn er hat viel Geduld und ist freundlich und er diskutiert niemals über Dinge mit Erwachsenen, die sie sowieso nicht verstehen können. Deshalb ist er auch mein Freund. Er ist durchaus auch ein ganz normales Dreizehnjähriger und macht viel Quatsch, Spass und was man gerne macht in diesem Alter. Aber er beachtet Grenzen. Nicht die Grenzen der „Alten“, sonder die seinen. Man kann realisieren was man will, aber man muss es selber machen und man muss es wollen und man darf niemals aufgeben. Das funktioniert immer. Früher oder später.

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