Drehbuch

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Der Abspann – ein Film ohne Film

Personen und ihre Darsteller

1.243.821 Schuppen tiefgründiges Symbol für Denkprozesse.

Die Cutterin wichtigste Person der Postproduktion. Da sie im Film nur an einer Stelle auftaucht hat sich der Drehbuchautor nicht die Mühe gemacht, ihr eigene Züge zu geben. Sie hat die sexy Gestalt des Kameramannes und den zu kurzen Dienstrock des Scriptgirls.

Der Filmemacher oder

Der Drehbuchautor fognin
Allgemein auch nur „der Idiot“ genannt. Typ, der überall da ist, wo er stört und nie zu finden ist wenn er gebraucht wird. Macht nebenbei auch noch alles andere was gerade anliegt, mit dem sicheren Effekt, dass er nix richtig macht.

Der Fundriser ist für die Beschaffung der Mittel des Films zuständig. Da in einem Nobudgetfilm dieser Job enttäuschend inhaltslos ist, besorgt er lieber die flüssigen Mittel in den umliegenden Supermärkten. Er verbrachte fast die gesamte Drehzeit wegen Ladendiebstahl im Gefängnis.

Der Freund Hannes
Repräsentant einer fremden übergeordneten Macht. Also er ist Gott oder höher noch: der Mann aus Hollywood. Ist die Hauptperson im Hintergrund, hat als einziger das Drehbuch gelesen. Gottseidank verlangt seine Rolle nicht, dass er es auch verstanden hat. Ohne ihn würde der Film keinerlei künstlerische Qualität haben, deshalb ist seine Rolle vollkommen sinnlos.

Die Freunde. Menschenmaterial für eine spektakuläre Massenszene, werden als Statisten nur gebraucht, um den Film noch aufwendiger, teurer und länger zu machen und um den Abspann durch das völlige unnötige Aufzählen aller Namen und biographischen Daten (Kindergarten von bis, Schule von bis…), dass dringend benötigte Gewicht zu geben.

Die Idee wichtigster Bestandteil des Drehbuchs in dem sie absolut keine Rolle spielt. Alle Akteure bemühen sich ständig sie zu ignorieren.

Der Innenarchitekt gestaltet alles um, was in seinen Bereich gerät. Da die Anzahl der wirklich kreativen Künstler in diesem Film auf eins reduziert wurde, fehlt er gänzlich.

Die Kamera, technische Maschine mit egozentrischen Launen

Der Kameramann Maurice
Hauptdarsteller und männliche Sexikone. Kümmert sich um alles ist omnipräsent, ohne ihn läuft nix. Seiner Rolle als guter Geist des Films steht nur der ungeheuere Sexappeal im Weg: Keiner vermag zuzuhören, Weiblein wie Männlein sind alle völlig betört und benehmen sich in seiner Gegenwart töricht.

Der Komponist Dominik
Graue Eminenz. Nie Da, macht aus den beschissensten Situationen noch eine geniale und gewollt aussehnendes Kunstwerk in dem er aus einem begrenzten Vorrat von Tönen immer die gerade passenden neu kombiniert. Der einzige wirkliche Künstler des Films, treibt sich permanent in Wartezimmern herum, in denen er seine genialen Inspirationen findet.

Die Musik ehemals unabdingbarer Bestandteil eines „fast Stummfilms“, jetzt Abfallkorb der Kreativgeschichte des Films

Das Off der Ort in dem die Phantasie noch freien Raum hat. Zuviel Freiheit schadet dem Film. Dieser Film ist besonders schadstoffreich.

Der Produktplacementmanager

sorgt für die wesentlichen gewinnbringenden Werbebotschaften des Films und vermittelt somit tatsächlich Inhalt. Wer braucht so was? Er wurde aus finanziellen Gründen abgeschafft.

Das Publikum anonyme unbestimmte Masse die als Ausrede auch des blödesten Filmes dient. Grundsätzlich wird auf das Publikum keine Rücksicht genommen, das wäre ja Anbiederung. Intern wird nur verachtungsvoll von ihm gesprochen, nach Aussen lobt man es und umschmeichelt es mit den billigsten Mitteln.

Raum, plural:  Drehräume, sind Zimmer die man wegen ihrer Atmosphäre und ihrem Aussehen zu solchen erkoren hat. Danach werden sie vollkommen verändert und umgebaut.

Der Ton die Krachkomponente des Films. Setzt sich aus komischen Geräuschen, die die Hauptdarstellerin produziert, Nebenengeräuschen die die Filmschaffenden etwas lauter produzieren und einer völlig unpassenden Hintergrundmusik zusammen. Fällt immer nur dann auf, wenn er missraten ist.

Die Tralau: Marianne Tralau
ehemalige Hauptdarstellerin. Jetzt gnadelose gute Lieferantin für „dropouts“

Die Schritte das eigentliche tonale Ausdrucksorgan der Tralau.

Das Scriptgirl weibliche Hauptperson und absoluter Sexstar. Bedingt durch ihre Berufsbekleidung (ein viel zu kurzer Rock) wird sie von allen Akteuren angehimmelt, während sie nur versucht alles so zu belassen wie es immer war. Jeder behauptet mit ihr ein Verhälntniss gehabt zu haben (aber die Verhältnisse sind nicht so), während sie Brecht wirklich verstanden hat. Aber wem nützt das?

Die Stilistin ist der soziale Brennpunkt des Films und der einzige Grund, warum dieser Schwarzweiss-Film in Farbe realisiert wird.

Strassenjungen auch Lausejungen. Wichtige Personen beiderlei Geschlechts der unteren sozialen Randgruppen die dem Film die verschärfte Perspektive aus sexuelle Ausbeutung, müssigängerische Armut und kindlicher Sexualneugier geben. Da Jugendliche nur noch für die Werbewirtschaft und die Strafverfolgungsbehörden interessant sind wurden sie im Interesse des kommerziellen Erfolges aus dem Film gestrichen.

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ist das was das Filmteam sich ständig gegenseitig macht und das was zerstückelt dann vom dem Filmband zusammengeschnitten wird. In Romanen nennt man solche Abschnitte auch Kapitel, aber da handelt es sich um Kunst.

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