…neue Musik

… Neue Musik

 

7. 4. 2012

Ausschreitungen in der Nicolaikirche

Gross angelegte Kompositionen mit fast orchestralen Ausmassen brachte das zweite Konzert diesen Jahres der Konzertreihe „Neue Musik“ zur Aufführung. Nur drei Werke erklangen an diesem Abend. Alle drei hatten deutlich länger Spielzeiten und wurden jeweils in recht grosser Besetzung vorgestellt. Namensgebend und am Anfang stand die Uraufführung von Clemens Nachtmanns „ausschreitend“ für Ensemble von 2009/2010. Nachtmann, der 2010 als Stipendiat in Eckernförde weilte und während dieser Zeit an seinem Werk feilte, stammt ursprünglich aus Bayern. Musikalische und politische Studien führten ihn nach München, Berlin und Graz. In Österreich hat er einen Lehrauftrag an der Kunstuniversität Graz.

 

Neun Musiker, davon 5 Bläser bildeten das Ensemble, die das schwierig zu spielende Werk mit dreidimensionaler Kraft in den Klangraum der Nicolaikirche stellten. Kraft, Lebendigkeit und Stärke sind die Begriffe die diese Komposition am treffensten beschreiben. Clemens Nachtmann malte mit seinen Tönen einen umfassenden durchseelten Raum, an einen urmächtigen Wald erinnernd, der bewohnt von vielerlei ungestörten Wesen zu sein scheint. Die starke Bläsergruppe (besonders hervorzuheben Wardy Hamburg an verschiedenen Saxophonen) spielte teilweise direkt in den Flügel und veränderte so den Raumklang in faszinierender Weise. Das diesjährige Generalthema der Musikreihe, Räume wurde in Nachtmanns Stück sehr anschaulich. Seine gross angelegten, teilweise heftigen Tonbilder klangen in spannungsgeladenen Pausen aus. Während der erste Satz die Themen in den Raum „stellte“, beschäftigte sich der zweite eher mit der inneren Verarbeitung. So ergab sich ein weiterer grandioser Spannungsbogen, der die Thematik „Bewegungen im Raum“ vielfach vertiefend spiegelte. Das Werk hat einen umfassenden Erlebnischarakter, es ist ihm zu gönnen auch noch an anderen Orten das Publikum in seinen Bann zu schlagen

Es schloss sich die Komposition „Swamp Forest“ (2004) von Larisa Vrhunc an. Die vielfach gespielte Slowenin zeigte in ihrem Werk eine „unfreundliche Waldgegend“ die zehn der 14 Musiker gewaltig in Szene setzten. Gerald Eckert setzte das Werk in seinen diesmal sehr kurzen Einführungen in Beziehung zu Lebens- und Sterbeprozessen mit ihren vielfachen Veränderungen. Immer wieder beachtlich, wie das „ensemble reflexion K“ auch in sehr grosser Besetzung präzise und durchgeprobt erscheint und auch komplexe Klangwerke lebendig und erlebnisreich vorstellen kann.

Gerald Eckert, der als musikalische Leiter des Abends alle drei Werke dirigierte, hatte eine lange Flugreise hinter sich. Er arbeitet derzeit in Seol (Südkorea) als Professor für Komposition. Als Abschluss dieses gross angelegten Konzertabendes erklang ein alter Publikums-Freund: „An den Rändern des Maßes“ (2005/2011) begegnete den Hörern der neuen Musik immer mal wieder während seiner langen Entstehungszeit. Diesmal setzte es einen gekonnten, zusammenfassenden Schlusspunkt. Das Werk beschäftig sich mit Auflösungserscheinungen. Der bewegte Raum, durch zwei Ensemblegruppen deutlich, verlagert sich spürbar nach Innen. Gerald Eckert vermag es, durch seine feinstrukturierten Kompositionen, das musikalische Geschehen in den Zuhörer zu verlagern. Während das Stück mit einer konzentrierten Schluss-Stille im Raum ausklingt, wird es das hörbar begeisterte Publikum noch eine Weile begleiten.Das nächste Konzert der Reihe Neue Musik, zu dem Gerald Eckert wieder aus Korea anreisen wird, beschäftigt sich mit dem 250. Geburtstag der Häßler Orgel. Am Donnerstag, den 21.6. um 20 Uhr in der St.-Nicolai-Kirche. (fst)

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16. 11. 2010

Kommentar „Der Prophet im eigenen Land…“

geschrieben für die EZ (unveröffentlicht)

Die Musikreihe „Neue Musik“ kommt in das zehnte Jahr ihres Bestehens in Eckernförde. Stetig steigende Zuhörerzahlen zeigen ihren Erfolg auf lokaler Ebene, auch wenn etliche Besucher aus dem schleswig-holsteiner Umland anreisen. Bedeutender für die Stadt ist die internationale Wirkung: „Uraufgeführt in Eckernförde“ ist immer wieder in den Werksbiographien bedeutender zeitgenössischer Komponisten zu lesen. Bekannte Ensembles aus aller Welt schauen sehnsüchtig in unsere Stadt als Aufführungsort mit lebhafter Publikumsbeteiligung. Beatrix Wagner und Gerald Eckert gelang es in zehn Jahren zu beweisen, das moderne, anspruchsvolle Musikaufführungen nicht an die klassischen Metropolen gebunden sind.

Umso seltsamer ist es wenn nun durch den anstehenden Sparhaushalt genau diese Musikreihe überproportional gekürzt werden soll. Haushaltssanierung auf Kosten einer Veranstaltungsreihe die den Namen der Stadt in alle Welt trägt, ist marketingmässig eine Niete – kulturell eine Katastrophe. Verständlich, wenn die Zuständigen in Politik und Verwaltung aus Zeitmangel oder Desinteresse keinen Zugang zu dieser Kunstrichtung finden. Unverständlich, wenn sie ein kulturelles Alleinstellungsmerkmal ausradieren und damit den Ruf der Stadt nachhaltig schädigen. Noch ist Eckernförde kulturell mehr als Provinz – nicht zuletzt wegen des Lärms den die beiden rührigen Musiker werbewirksam in die ganze Welt blasen.(Markus Feuerstack)

 

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16. 11. 2010

Ende der Welten – ausdrucksstark erlebt

Es gab viel zu feiern. Und es wurde grossartig gefeiert. Lautstark, zart, lang und mit qualitativ besten Inhalten. Am Freitag Abend zelebrierte die renommierte Eckernförder Reihe „Neue Musik“ ein einzigartiges Konzert. Gerald Eckert, der in Eckernförde lebende Komponist mit internationaler Ausstrahlung, wird dieser Tage (*27.12.1960) 50 Jahre alt, die Musikreihe beginnt ihr zehntes Jahr und eine erfolgreiche Saison von Konzerten erlebte ihr Abschlusskonzert.

„Fin des terres“ so der Titel dieses in drei Einheiten gegliederten Abends, bot ein umfassendes und mit zahlreichen Instrumenten besetztes Programm. Das in flexibler Besetzung agierende „esemble reflexion K“ bot allein elf Musiker auf, dazu kam das Schlagzeugduo „Eardrum“. Die musikalische Leitung und der künstlerische Fokus wurde von Gerald Eckert bestimmt, der mit dem inkl. Pausen dreistündigen Programm ausführlich gewürdigt wurde. Nicht nur eigene Werke des Komponisten wurden gespielt, auch ihn prägende Komponisten beleuchteten seinen musikalischen Werdegang. Morton Feldman (1916-1987), Gérard Grisey (1946-1998), Stefano Gervasoni (*1962, Italien) und natürlich Nicolaus A. Huber (*1939) repräsentierten dieses Umfeld. Von Gerald Eckert wurden in grosser Besetzung „Studie über Nelly Sachs“ (2008), „Bruchstücke… erstarrtes Lot“ (1999) und das für diesen Abend namensgebende „offen – fin des terres“ (2002) aufgeführt.

Der erste Teil des dreigegliederten Abend bestimmten drei Schlagzeugduos. Die zahlreichen Zuhörer in der St.-Nicolai-Kirche erlebten zwei mit vielerlei Klanginstrumenten ausgestattete Schlagzeuge, die optisch und akustisch raumergreifend operierten. „Void“ von Gerald Eckert war mit ca. 30 Minuten der längste Titel des Abends. „Geformte Stille“ und „Nachspüren“ sind Begriffe mit denen der Komponist dieses imponierende Werk charakterisiert.
Beindruckend auch die weiteren Werke von Gerald Eckert, besonders da sie mit grössere Besetzung zur Aufführung kommen konnten. „Studie über Nelly Sachs“ von 2008 für Sopran und Ensemble, beschäftigte sich mit Teilen, Partikeln, die unerbittlich ablaufen. Das Stück eröffnet einen Klangraum der es den Zuhörern ermöglicht den Stimmungsanteil der Dichtung von Nelly Sachs wiederzufinden und zu sich selbst in Bezug zu setzen.

„Bruchstücke… erstarrtes Lot“ von 1999 und „offen – fin des terres“ (2002) sind zwei weitere bedeutende Kompositionen die einen tiefen Einblick in das Werk von Gerald Eckert ermöglichten. Bei dem letzt genannten Stück wurde durch die Verwendung von gleich zwei Zuspieltonbändern Eckerts feinfühliger Umgang mit dem Raumklang deutlich. Durch musikalische Elemente, feinste Töne, die fast unter die Hörgrenze gehen, zwingt er das Publikum in einen sehr lebendigen Klang- und Erlebnisprozess hinein. Vielleicht sind es gerade Eckerts Werke die die ungewöhnlich zahlreiche Teilnahme der Zuhörer an dieser besonderen Musikrichtung in Eckernförde ermöglichen. Jedenfalls feierten die anwesenden Zuhörer „ihren Komponisten“ und die vielen Ausnahmemusiker durchgehend mit langanhaltenden Beifall. Es war – wieder einmal – ein grandioses Konzert und ein spannendes Portrait über den Künstler Gerald Eckert. (fst)

 

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 16. 11. 2010

  Neue Musik ungewöhnlich

Selbst bei der künstlerischen Avantgarde gibt es Alltag. Diesen zu durchbrechen braucht es ungewöhnlichen Aufwand. Das Konzert „Samen.Sprungfedern /colurs IV“ zeigte eine solche Grenzverletzung. Zum heimischen ensemble reflexion K in der Besetzung Beatrix Wagner (Flöten), Gerald Eckert (Dirigat) und Johannes Fischer (Schlagzeug), gesellten sich Astrid Schmeling (Flöten) und Matthias Kaul (Schlagzeug) vom Ensemble l´art pour l´art. Dazu kamen als Gäste noch Nari Hong und Martina Roth (beide Flöten). Insgesamt also vier Flötistinnen, die teilweise auf zehn Instrumenten spielten, und zwei Schlagzeuge. Ungewöhnliche Besetzung – noch ungewöhnlicheres Programm.

 

Die Biographie des koreanisch-deutschen Komponisten Isang Yun liest sich wie ein Roman. Vielfach von den politischen Bitternissen seiner Zeit (er lebte von 1917-1995) persönlich betroffen, wechselte er 1971 endgültig von seinem geteilten Geburtsland in das genauso geteilte Deutschland. Hier gelang es ihm, internationale Akzente als Komponist zu setzen. Sein „Quartett“ für vier Flöten (eigentlich zehn!) wurde zum furiosen, gelegentlich schmerzhaften Auftakt des Konzertes in der St.-Nicolai-Kirche.Der österreichische Komponist Klaus Lang ist bereits 2008 in Eckernförde aufgeführt worden. Sein Werk von 2001 „Der fette Hirte und das weiße Kaninchen“ forderte die Ohren der Zuhörer. Zarte Töne von zwei Flöten und zwei Schlagwerken ließen sich mit menschlichen Atem assoziieren und kontrastierten so deutlich zum vorangegangenen Werk.

Als Raumklanginstallation mit außergewöhnlichem Aufbau, seltsamen Tönen und viel Spass kam das Werk „Vacuum Ritual II“ von Matthias Kaul zur Aufführung. Vier Flöten stehen als Instrumentenangabe im Programmheft. Tatsächlich spielten die Musikerinnen auch auf verschiedenartigste Weise – trompetenähnlich, singend, klopfend – auf Einzelteilen ihrer Instrumente. Die Klangvariationen, die hierbei erzeugt wurden, waren schier unerschöpflich. Diesem ungewöhnlichen Klanggeschehen gesellten sich vier elektronisch geregelte Staubsauger hinzu. Aus den infernal klingenden Reinigungsmaschinen, die für mich zumindest, stets mit ungemütlicher, nervender Atmosphäre verbunden waren, wurden fast kultische Klangerzeuger, die den umgebenden Kirchenraum zum Vibrieren brachten. Ungewöhnliche Klänge allenthalben, mit viel Spaß und Augenschmaus.

Die zwei Schlagzeuger hatten ihren großen Auftritt in dem nur durch Regieanweisungen eingeschränkten Improvisationswerk „Edges“ (1968) des Amerikaners Christian Wolf (*1934). Optisch, klanglich und spielerisch – ein gelungener Entspannungsmoment in diesem breitgefächerten Konzertprogramm.

Eckernfördes großer Komponist Gerald Eckert gibt sich stets seriös, so auch in „absence – traces éloignées“ (2007) für vier Piccoloflöten und zwei Schlagzeuger. Das Werk baut ein energiegeladenes Spannungsfeld zwischen den unterschiedlich agierenden Hochtönen der kleinen Flöten und den teilweise sehr tiefen und dramatischen Tönen der reichlich bestückten Schlagzeuge auf. Mit diesen, in seinem Dynamikumfang für Eckert eher ungewöhnlichen Werk fand der sowohl musikalisch als auch optisch ungewöhnliche Abend mit Neuer Musik seinen angemessenen Höhepunkt.

Das nächste Konzert der Reihe Neue Musik findet am 12. November um 19 Uhr in der St.-Nicolai-Kirche statt. Das Duo eardrum und das ensemble reflexion K werden anläßlich Gerald Eckerts 50. Geburtstag Werke von Nicolaus A. Huber, Gérald Grisey, Stefano Gervasoni und natürlich Gerald Eckert zur Aufführung bringen. Von diesem wird es auch einige noch nie in Eckernförde gespielte Werke zu hören geben. (Markus Feuerstack)

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09. 06. 2010

Kleine Besetzung grosses Konzert

Einer der vielen spannenden Momente der Musikreihe „Neue Musik“ ist die sich wandelnde Besetzung des gastgebenden „Ensembles Reflexion K“. Mal in grossem Umfang mit vielen Musikern aus der umfangreichen Stammbesetzung, oder auch sehr bescheiden als Trio kommt diese Gruppe aus dem Bereich der zeitgenössischen Musik daher. Am Sonnabend hatte die Eckernförder Flötistin Beatrix Wagner, Organisatorin und Herz der Formation, ganze zwei Musiker mitgebracht. Zum bekannten Stamm gehört die Harfenistin Eva Curth (Ignatjeva), deren furioses Spiel bei uns schon viel Anklang finden konnte. Erstmalig dabei war der Bratschist Nikolaus Schlierf (*1969). Der Hans-Eisler-Preisträger für Neue Musik brachte ein aufsehen erregendes Doppelsolo mit: Walter Zimmermanns (*1949) „Taula und Novo Ben“ von 2003 sieht zur Viola obligaten Gesang vor – vom selben Musiker und gleichzeitig. Erstaunlich wie Schlierf mit beeindruckender Kopfstimme ein gewaltiges Klangspektrum entfaltete und den Kirchenraum mit seinen Tönen zu füllen vermochte. Das Publikum feierte dieses Können mit anhaltendem Applaus.

Ein weiteres Solo an diesem Abend kombinierte ebenfalls Gesang mit einem Instrument. Bei dem Werk „Especially …“ das Dennis Eberhard (1943-2005) 1983 komponierte sang Eva Curth in ihre Harfe und zeigte einige weitere Klangentfaltungsmöglichkeiten dieses ans sich schon sehr vielseitigen Instruments.

Mehre Triokompositionen für Flöte, Harfe und Viola belichteten ein ungewöhnliches Klangspektrum von Instrumenten, die in dieser Zusammenstellung zum ersten Mal bei Claude Debussy zu finden sind. Das als rhythmische Studien beschriebene Werk von Johannes Schöllhorn (*1962) „under ones´s breath“ von 1996 nimmt in der Form Bezug auf Debussy, inhaltlich kommt durch teilweise ungewöhnliche Spieltechniken ein sehr modernes Bild zum Erleben.
Die Finnin Kaija Saariaho (*1952) lebt in Paris und gab mit ihrer Komposition von 1996 den einen Teil des Konzert-Mottos „new gates“ vor. Inhaltlich aber auch den zweiten Teil des Mottos „colours“ – wenn man es als „farbige Stimmungen“ übersetzen möchte. Ihr Werk, aber auch „Als eine Aussicht weit“ (1996) von Nicolaus A. Huber (*1939) und die anderen Kompositionen des Abends, zeigten auf, wie zeitgenössische Musik, genauso wie die Musik vergangener Epochen, direkt emotional erlebt werden kann. Grandios gespielte Triostücke, die stets auf der Höhe der Zeit, erlebnismässig weite Bögen zu spannen vermögen. Ein tiefgehender Abend in der Nicolaikirche, der in Auswahl und Interpretation aufzeigte, wie in kleiner Besetzung ganz grosse Musik zum erleben gebracht werden kann.
Das nächste Konzert findet am 6.8 mit dem „ensembles voces berlin“, das zusammen mit dem „duo reflexion K“ Werke aus dem 12. Jahrhundert der Musik Gerald Eckerts gegenüberstellt, statt. (fst)

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24. 11 2009

Gestreamte Musik

Neue Musik im Zeichen der Elektronik.

„stream / Kontraste V“ lautete der Titel des letzten Konzerts des „Ensemble reflexion K“ in der St.-Nikolaikirche in diesem Jahr. Beatrix Wagner (Flöten), Gerald Eckert (Cello), Lenka Zupkova (Violine), Joachim Striepens (Klarinette) stellten zusammen mit dem Gast André Bartetzki (Elektronik/Klangregie) ein kontrastreiches Programm vor. Rein natürliche klingende Kompositionen, die auf den gewohnten analogen Klang aufsetzten standen elektronisch beeinflussten Werken gegenüber.

„Analoge“ Kompositionen erklangen von Helena Tulve (*1972), Salvatore Sciarrino (*1947) und Gerald Eckert. Zwei Einspielungen kamen ohne jegliche Liveaktion aus, sie wurden ausschließlich eingespielt. Stella Perales (*1944) aus Argentinien war mit einem Werk von 2007 vertreten und auch die als Stipendiatin im Schleswig-Holsteinischen Künstlerhaus bereits in Eckernförde bekannte Chinesin Pei-Yu Shi (*1973) lieferte zwei Fragmente für „Tonband“ dazu.

Wie in der technischen Welt üblich, gibt es auch in der Form der elektronischen Musik „hybride“ Kompositionen, die sowohl auf notieren Material aufsetzen, als auch Einspielungen über Lautsprecher während der Aufführung beinhalten. Die Musiker werden also ergänzt mit elektronischen Klängen. In dieser Sparte waren Kompositionen von Isabel Soveral (*1961) und Bernfried Pröve (*1963) als beispielhaft vertreten.

Für die Zuhörer besonders attraktiv gestaltete sich die letzte Sparte der vorgeführten elektronisch beeinflussten Kompositionen. Komponierte Werke wurden dabei von so genannter „Liveelektronik“ ergänzt. Jede Menge Mikrophone kamen bei dem legendären Stück „A Pierre. Dell’Azzurro Silenzio, Inquietum…“ das der Altmeister Luigi Nono 1985 in Deutschland und Venedig komponierte. Um das Stück ranken sich einige Geschichten. Eine Besonderheit ist der Einsatz von einer Kontrabassflöte in G, von denen es nur sehr wenige Exemplare überhaupt gibt. Als zweites Instrument kommt eine Kontrabassklarinette zum Einsatz. Beide werden nicht mit ihren äußerst tiefen Tönen zum Erklingen gebracht sondern töntn mit Obertönen, also recht hoch. Während des gekonnten Spiels von Beatrix Wagner und Joachim Striepens wurden die erzeugten Klänge aufgenommen, nach Vorgaben Nonos manipuliert und mit festgelegter Verzögerung dem Klangeschehen über Lautsprecher wieder beigefügt. Der Effekt faszinierte sehr, auch wurde André Bartetzki (*1962) als Tonmeister kreativer Mitarbeiter am Klangeschehen.

Dieser wurde zum Abschluss des Konzertes, dass die Reihe Neue Musik für dieses Jahr beschloss, auch als Komponist aktiv. Die Uraufführung von Bartetzkis Stück „Areal BA 44“ zeigte das volle Spektrum zeitgenössischer Manipulation in Zusammenklang mit live aufgeführter Musik. Seine Komposition wurde den Musikern als Hörstück mit dynamischer Notation zur Verfügung gestellt. Diese spielten also aus ihrer Erinnerung. Zur den Klängen der Instrumente wurde sowohl vorbereites Material über die Lautsprecher eingespielt, als auch die erklungenen Töne manipuliert wieder dem Klangeschehen zugefügt. Dies klingt komplizierter als es sich letztlich anhörte.

Das komplette Konzert war nicht nur didaktisch spannend, auch wurde die gewohnt hohe Marke gekonnter Interpretation wieder mühelos erreicht. Das pure Vergnügen an neuen Klängen wurde nur durch die sehr mäßigen Temperaturen in der Kirche und durch das durch eine Konkurrenzveranstaltung dezimierte Publikum gemindert. Den Freunden dieser ungewöhnlichen aber spannenden Reihe bleibt die Freude auf die nächste Veranstaltung im Februar.

(fst)

https://www.hp-haller.homepage.t-online.de/venedig.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Luigi_Nono

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30. 11. 2008

Meisterliche Nacht

Eine ganze Nacht neue Musik? Naja fast, von 19 bis 23 Uhr dauerte das Konzert zu Ehren des Altmeister der Moderne Olivier Messiaen. Aber nicht nur repräsentative Kompositionen hatte diesmal das ensemble reflexion K herausgesucht, auch ein informativer Film ergänzte das Angebot an Informationen. Davon gab es viele. Der bekannte Eckernförder Komponist Gerald Eckert führte sachkundig, verständlich und unterhaltsam durch das Programm und nahm sein Publikum mit auf die Reise durch das Abenteuerland neue Musik. Olivier Messiaen (1908-1992), der oft als „Vater der französischen Moderne“ bezeichnet wird, wäre am 10.12. 100 Jahre alt geworden. Für seine oft religiös motivierten Kompositionen verwendete er gerne Vogelstimmen als musikalische Vorlagen, die er weltweit in Notennotation aufschrieb. Außer Ornithologie studierte der künstlerisch seht vielseitig orientierte Altmeister der Neuen Musik auch Rhythmik und war besonders in Indien von den traditionellen Kunstfertigkeiten und Instrumenten angetan. Als Hochschullehrer bildete er die wichtigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts aus, unter anderem Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen und Iannis Xenakis. Messiaens Leben und Werk wurde sehr ansprechend und künstlerischer Weise in dem Film „Olivier Messiaen – The Chrystal Liturgy“ von Olivier Mille dargestellt, der zwischen den drei Blöcken des Konzert über eine Großleinwand zu sehen war. Der Konzertteil wurde diesmal von Beatrix Wagner (Flöten), Katja Kanowski (Stimme) und Gerald Eckert (Cello und Klangregie) bestritten. Als besonderer Gast des Abends musizierte Martin von der Heydt auf dem Bechstein Flügel der St.-Nicolai-Kirche. Besonders bei den „Qutre Etudes de Rythme“ (1950) von Messiaen überzeugte sein konzentriertes und hochmusikalisches Spiel mit kraftvollen Anschlägen, aberwitzig schnellen Läufen und einer beim zuschauen irritierenden Fingerakrobatik.
Ausser dem Themengeber der neutönenden Musiknacht kamen aber auch noch andere Komponisten zum erklingen. Sowohl Bruno Maderna, Beat Furrer und auch Helmut Lachenmann wurden innerhalb der Reihe Neue Musik bereits vorgestellt, diesmal zeigten sie die dauerhafte Wirkung des französischen Großmeisters. Hervorzuheben ist das Werk „temA“ von Hellmut Lachenmann (*1935) für Flöte, Stimme und Violoncello. Katja Kanowski zeigte dabei eine ungewohnt Oralakrobatik. Erstaunlich wie viel verschieden Geräusche und Klangfarben allein mit dem Mund zu erzeugen sind und welche fantastische Wirkung diese haben.
Natürlich fehlen auch Werke von dem beliebten Eckernförder Komponisten Gerald Eckert nicht indem gelungenen Programm. Geradezu als „Hit“ dürfte das abschließend gespielte Werk „Nachtbogen“ zu bezeichnen sein. Die feinen ätherischen Klänge, die bewusst mit der Hörbarkeitsgrenze spielen wurden wie der ganze Abend vom Publikum mitlangen, anhalten Applaus quittiert.
Am Mittwoch, den 10.12. 2008 folgt dann um 19.30 Uhr ebenfalls in der
St. Nicolai-Kirche Eckernförde der zweite Teil mit den „Trois petites
Liturgies“ für Frauenchor, Orchester und Ondes Martenot. Außerdem stehen
auf dem Programm das „Magnificat“ von Monteverdi und „Ubi caritas et
amor“ von Maurice Duruflé. Mitwirkende sind der Frauenchor St. Nicolai, der gemischte St.-Nicolai-Chor, die Kammersymphonie Berlin und Claude-Samuel Lévine (Ondes Martenot) unter der Leitung von KMD Katja Kanowski.

(Markus Feurstack)

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30. 09. 2008

Neue CD von Gerald Eckert: Chamber Music

Die brandneue CD „Chamber Music“ des gebürtigen Nürnberger Komponisten Gerald Eckert ist ab sofort im Musikhandel erhältlich.

Eckert ist durch seine Reihe „Neue Musik“ zusammen mit dem „ensemble reflexion K“ in Eckernförde bekannt geworden. International ist er als Komponist gesucht und vielfach ausgezeichnet.

Die CD mit Kompositionen des Wilfried Jentzsch-Schülers Eckert besticht durch musikalische Willensstärke und Beharrlichkeit. Die Komplexität der Töne, die bis in die Peripherie der Wahrnehmung zart sirren fordert damit die volle Konzentration des Hörers. Die Stücke wirken nicht aufdringlich; sie verströmen in der Dichte der Musik ihre feingliedrige Anmut. Auch die Wechsel von atemlosen Pausen zum fulminanten fortissimo lassen den Zuhörer schwerelos eintauchen in die durchgestalteten Kompositionen.

Gerald Eckert hat neben Komposition und Violincello auch Klavier und Dirigieren studiert. Auch die Erkenntnisse aus seinem Mathematik- und Physikstudium vermag der interessierte Zuhörer bei näherer Beschäftigung mit den Klängen Eckerts wahrzunehmen.

In dem künstlerisch gestalteten Booklet zur CD findet sich auch ein Interview mit dem Komponisten, in dem Eckert Einblicke in seinen Schaffensprozess gibt.

Eine anspruchsvolle und hörenswerte CD mit Kammermusik, die Zuhören und Einlassen auf die Klangwelt des Komponisten verlangt. Wenn der Hörer dieser unabdingbaren Voraussetzung nachkommt, erwartet ihn ein großartiges Klangerlebnis, das die künstlerische Vielfalt des herausragenden Komponisten widerspiegelt.

Das neue Album „Chamber Music“ umfasst acht Kompositionen des Eckernförder. Es wurde im Februar bis April dieses Jahres in Leipzig aufgenommen. Die CD ist bei Neos im Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk und MDR entstanden. Fast alle Aufnahmen sind Erstveröffentlichungen. Das Booklet beinhaltet auch eine Beschreibung der Stücke durch Meret Forster und Bilder von Partiturenblättern.

Einige dieser Werke von Gerald Eckert werden am 26. 9. innerhalb der Reihe „Neue Musik von dem diesmal neunköpfigen „ensemble reflexion K“ in der St.-Nicolai-Kirche aufgeführt. Bei dem Konzert, das wie immer um 20 Uhr beginnt, wird die CD einmalig zu einem Sonderpreis erhältlich sein.

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29. 09. 2008

Neun Musiker, Videos und eine CD

Unter dem Titel „Visuals“ wurde die Reihe Neue Musik mit dem Zyklus über Zeit fortgesetzt. Wie immer hatten auch diesmal die Musiker des ensemble reflexion K einiges vorbereitet, um ihren treuen Eckernförder Publikum Herausforderndes zu bieten. Mit den Videokünstlern Rolf Weißleder und Matthias Meyer und ihren künstlerischen Kurznotizen auf zwei rieseigen Monitoren wurden erstmals bewegte Bilder in das musikalische Geschehen integriert. Zu drei Stücken blinken kurze Filmsequenzen und einzelne, wie Fragmente anmutende Bilder auf. Teilweise war die Bildsprache in sehr kleine Häppchen zerlegt, so dass die volle Konzentration benötigt wurde um die kurzzeitige Informationen verarbeiten zu können. Konzentration, die aber auch die Musik benötigt hätte. Immerhin waren diesmal neun Musiker angereist um die hauptsächlich vom Eckernförder Komponisten Gerald Eckert stammenden Werke zum erklingen zu bringen. Die Stammbesetzung mit Beatrix Wagner (Flöten), Gerald Eckert (Cello), Eva Zöllner (Akkordeon) und Olaf Tzschoppe (Schlagzeug) sowie Eva Ingantjeva (Harfe) wurde ergänzt mit Katja Guedes (Sopran), Lenka Zupkova (Violine), Kirstin Maria Pientka (Viola) und John Eckhardt am Kontrabass. Die meisten Musiker sind nicht ganz zufällig auf der brandneuen CD von Gerald Eckert und dem ensemble reflexion K „Neos“ zu finden. Die CD wurde an diesem Abend erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert. Eckerts Werke „Studie über Nellie Sachs“ (2008), „Von Innen – Körnung“ (2003), „Nen VII“ (2007), „Schächte“ (2002) und Fäden „First Part“ konnten live erlebt und als Silberling mit nach Hause genommen werden. Das letzte Stück der CD wurde als Eröffnungsstück in der abgedunkelten Kirche gespielt. Die Musiker hatten ihre Aufstellung an verschiedenen Punkten in dem Klangraum Kirche eingenommen und spielten die Fäden sich einander zu und um und über das Publikum, wodurch eine besondere Hörsituation und ungemein sinnliche Atmosphäre entstand. Dem Namen des Stückes gerecht werdend, legten die Musiker die Fäden durch die Bänke der Zuhörer. Besonders auffallend, dass die Komposition auf diese besondere Hörsituation passte. Verklang ein Ton bei einem Instrument, wurde er bei einem anderen unmittelbar aufgefangen und weitergetragen. So entstand nie ein Gefühl der Leere oder des Nichts, es wurde immer ein “Faden“ gesponnen. Ergänzt wurden die von dem zahlreichen Publikum begeistert aufgenommenen Werke des Eckernförder Komponisten Gerald Eckert durch zwei weitere Werke. Vom Altmeister der Neuen Musik John Cage (1912-1992) erklang das Werk „Ryoanji“ von 1983 und der bereits in Eckernförde bekannte Komponist Elmir Mirzoev aus Aserbaidschan steuerte „Mumienportraits“ (2004) dazu. Elmir Mirzoev hat sein gewaltiges und sehr sinnlich wirkendes Klangebäude für das ensemble reflexion K komponiert. Nicht zuletzt die deutliche Präsenz der Werke von Gerald Eckert dürfte für den überaus guten Besuch des Konzertes gesorgt haben, auch die immer wieder überraschende thematische Regie ließ auch dieses Konzert zum mehrschichtigen Erlebnis werden. Neben der Videoinstallation sorgten die abgedunkelte Kirche und die Verteilung der Musiker auf den Kirchenraum für eine deutliche Sinnessteigerung. Der Klang und die inneren und äußeren Bilder strebten so wahrnehmbar zu einer Einheit. Das nächste musikalische Erlebnis innerhalb der Reihe wird am Freitag dem 29. November u.a. mit Werken von Messiaen zelebriert. (Markus Feuerstack)

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10. 08. 2008

Zwischen Alpen und Ostsee

Sommerkonzert der Reihe Neue Musik schuf Verbindungen.

Marianne Tralaus Bild auf der Einladung zum diesjährigen Sommerkonzert der renommierten Reihe Neue Musik gab das Motto vor: Die Alpen spiegeln sich in der Ostsee.

Genau diesen Bogen spannte das Ensemble Reflexion K mit einem umfassenden und durchaus auch sommerlich heiteren Programm. „Aus den Alpen“ umfasste nicht nur ernsthafte Werke gestandener Komponisten wie Georg Friedrich Haas (*1953), Bernhard Lang (*1957), Walter Zimmermann (*1949), Christian Wolf (*1934) und anderer, auch alpenländische Volksmusik. Die Walzer, Polka und Ländler spielten Beatrix Wagner (Flöten), Gerald Eckert (Cello) und Eva Zöllner (Akkordeon) zusammen mit dem Gast des Abends dem Zitterspieler Leopold Hurt nach Noten und klassisch konzentriert. Diese in diesem Zusammenhang etwas grotesk anmutende Tanzmusik kontrastierte großartig mit den virtuosen Einzelleistungen der ernsthaften Musik. Gleich vier Soli zeigten das wirkliche Können der Musiker. Gerald Eckerts Werk von 2006 „im Endlichen – dehnbar“ lies Eva Zöllner zu Hochform auffahren. Höchste Töne, schnelle Läufe und ausklingender Atem – Die markante Handschrift des Komponisten wurde durch die Interpreterin markant umgesetzt und begeistert aufgenommen.

Ein rhythmisches Meisterwerk mit atemberaubendem Tempo zelebrierte Beatrix Wagner auf ihrer Flöte. Bernhard Langs „Schrift 1.2“ fordert nicht nur einen schnellen und anhaltenden Atem, auch konzentrierte Musikalität und einfühlsames Können. Die Eckernförder Musikerin zeigte wieder ein Mal, das schwierig wirkende Werke für sie keine wirkliche Hürde sein können.

Gleich zwei Zitter-Soli bewiesen dass dieses Instrument die engen Grenzen der Volksmusik leicht zu sprengen vermag, wenn ein begnadeter Solist sich darauf ein lässt. In Walter Zimmermanns „Irrgarten“ von 1997 und Georg Friedrich Haas „ein Saitenspiel“ (2002) zeigte Leopold Hurt, dass er zu den Ausnahmemusikern gehört.

Der Höhepunkt des Abends waren gleich zwei Ensemblestücke: Leopold Hurt komponierte „Aggregat“ 2005 für elektrisch verstärktes Cello und Zither nebst Tonband. Das Werk kam mit sehr viel Schwung daher und wirkte stellenweise genauso brachial wie genial. Es schien aber den Zeitgeist des Eckernförder Publikums getroffen zu haben, wie der lang anhaltende Applaus bewies.

Gerald Eckerts bewegendes Werk von 2004 „Interferenz I“ ist für Flöte, elektrische Zither, Cello, Elektronik und Tonband ausgeführt. Das Ensemble spielte über den Kirchenraum verteilt – bei Eckerts Werken immer eine gute Entscheidung, denn das Spiel mit den oft nur seelisch wahrnehmbaren Tönen ist eine besondere Qualität des Eckernförder Komponisten.Sein Werk hat ein besonderen, seht tiefgehenden Charakter, es sollte unbedingt nochmals im Rahmen der Musikreihe wiederholt werden. Für das Sommerkonzert bildete es einen würdigen, gelungenen Abschluss dieses wunderbaren Konzertabends.

Das nächste Konzert findet am Freitag den 26.09. wie immer in der St.-Nicolai-Kirche statt. (fst)

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27. 05 2008

Zeit pur – Neue Musik definiert Klangzeit

Eckernförde

Dass sich zeitgenössische Komponisten und ihre Interpreten mit Zeit auseinandersetzen, dürfte logisch sein. So steht auch der komplette Jahreszyklus des „Ensemble Reflexion K“ unter dem Thema „Über Zeit“. Bei dem zweiten Konzert der Reihe in diesem Jahr sorgte der Untertitel „Dämmerung“ (Twilight) für das begriffliche Finetuning. Beatrix Wagner (Flöten) und Gerald Eckert (Cello und Perkussion) hatten auch diesmal wieder eine neue Zusammenstellung des flexibel sich zusammensetzenden Ensembles präsentiert. Eckernfördes Kirchenmusikdirektorin und Organistin Katja Kanowski (Stimme) ist schön öfters in dieser Musikreihe aufgetreten, genau wie die Akkordeonistin Eva Zöllner, die zur Stammbesetzung zählt. Neu und erstmalig wurden auch Blasinstrumente eingesetzt: Joachim Striepens glänzte mit den vielschichtigen Klangmöglichkeiten einer Klarinette und Andreas Roth gelang es eindrucksvoll zu beweisen, dass auch die Posaune aus der neuen Musik nicht wegzudenken ist.

Das Programm umfasste sieben Kompositionen von verschiedenen Komponisten, wobei „Eckernfördes Hauskomponist“ Gerald Eckert leider diesmal nicht mit vertreten war. Auffallend sind immer Solodarbietungen, da Komposition, Instrument und Interpret sich in einer wahrnehmbaren Dichte besonders präsentieren. In Valerio Sannicandros (*1971) Werk von 2001 „Apogeo / Ipogeo“ für Posaune solo wurde dies besonders deutlich. Das Musikstück lotet die verschiedensten und ungewöhnlichsten Spieltechniken des Blechinstruments umfassend aus und zeigte nicht nur das Können des Interpreten, sondern auch den originellen Ideenansatz des Komponisten. Obwohl durchgehend dramatisch und teilweise auch sensationell in der Zusammenstellung der Einzelklänge, blieb das Werk in der Stimmung geschlossen.

Beatrix Wagner als führende Flötistin im Genre der Neuen Musik konnte ihr ganzes Können, Wissen und musikalisches Einfühlungsvermögen in dem virtuosen Stück „Finale“, das Georg Friedrich Haas (*1953) 2004 komponierte, darlegen. Natürlich gelang es der Eckernförder Ausnahmemusikerin eindrucksvoll, die starke Räumlichkeit des Kirchenschiffes in ihre Interpretation einzubauen und so einen nachhaltigen Eindruck beim Publikum zu erwecken und so die Aufführung zu einem Erlebnis werden zu lassen.

Als ein weiteres, durch das Ensemble (ohne Klarinette und Posaune) interpretiertes Klangereignis wurde das Werk von Klaus Lang (*1971) „The forest of frost II“ (1997) aufgenommen. In der nachfolgenden Pause drehten sich fast alle Gespräche über die gerade erlebten 27 Minuten. Bereits im Bühnenaufbau deutete die breite Anordnung auf eine Besonderheit hin. Weit vor dem Altarraum verteilt und auseinandergezogen platzierten sich Gerald Eckert (Schlagwerk und Cello), Katja Kanowski (Stimme), Beatrix Wagner (Flöte) und Eva Zöllner (Akkordeon). Fast statisch, kaum in der Tonhöhe schwankend oder diese modifizierend ertönte ein faszinierender Klangteppich von ungeheuerer Dichte, der direkt in die inneren Schichten des äußerst konzentrierten Publikums vordrang. Gerald Eckert wies in seiner Einführung ausdrücklich darauf hin, dass es die Zuhörer seien, die das Werk mit Leben zu füllen hätten und genau so berichtete das Publikum dann von sehr unterschiedlichen, aber immer eindrücklichen Erlebnissen mit diesem Stück. Der Österreichische Komponist Lang ist auch Kirchenmusiker – vielleicht passte gerade deshalb dieser Wald aus Klang so passgenau in den Aufführungsort.

Die nächste Veranstaltung dieser besonderen Reihe mit Werken der Neuen Musik wird als Sommerkonzert am 9.8. um 21 Uhr sich unter anderen auch mit „alpenländischer Volksmusik“ beschäftigen.

Markus Feuerstack

25. 02 2008

Zeit und Wolken

ECKERNFÖRDE

Das kulturelle Leben Eckernfördes wird deutlich belebt durch die Reihe „Neue Musik“, die ihre aktuelle Saison mit einem Konzert am Sonntag einspielte. Zeit als zentraler Begriff steht über den fünf Konzerten die dieses Jahr zeitgenössische Werke dem Publikum näher bringen will. Die verschiedenen Kapitel des als Zusammenklang konzipierten Jahreswerks tragen eigene markante Überschriften. „Über Wolken“ hieß das erste Konzert, das hauptsächlich Werke des Eckernförder Komponisten Gerald Eckert präsentierte. Angereichert wurde das Programm mit einem Stück von Morton Feldmann (1926-1987)„Durations IV“ von 1980 und den von Eckert als Streichtrio umgesetzten Klavierwerken des französischen Komponisten Erik Satie (1888-1925) „Ogives“. Zu den in diesem Rahmen ungewohnten Wohlfühlklängen kontrastierte noch eine sehr zeitnahe Komposition des Engländers James Saunders. Die mit dem Tagesdatum versehen Komposition besteht aus Modulen die für jede Aufführung zusammengestellt werden – so das dieses Werk niemals gleich klingend zu Aufführung gelangen kann.
Wie Wolken selten in Vereinzelungen auftreten, wurde auch in der musikalischen Umsetzung des Themas viele musikalische Meisterinterpreten präsentiert. Außer der Stammbesetzung mit Beatrix Wagner (Flöten), Gerald Eckert (Cello) und den bei diesen Konzerten oft präsenten Musikerinnen Eva Ignatjeva (Harfe) und Eva Zöllner (Akkordeon) kamen noch drei Streicher: Lenka Zupkova (Violine), Kiristin Maria Pinetka (Bratsche) und der Bassist Kristján Sigurleifsson. Ergänzt wurde das Ensemble Reflexion K noch durch die Sopranistin Sarah Maria Sun und den Schlagzeuger des Guilllaume Chastel. Wie gewohnt sind alle Musiker dieser Konzertreihe hervorragende und erfahrene Solisten, die jedes Musikstück zum Erlebnis gestalten können. Drei Werke des Konzerts kamen schon in der Nicolaikirche zum tönen: „Schächte – les nuages d´automne“ (2002 und „vom Innen – Körnung“ (2003) wurden diesmal in leicht anderer Besetzung aufgeführt. „wie Wolken um die Zeiten legt“ (1996/ 97) wurde 2007 bereits aufgeführt. Wirklich neu, wenn auch keine Uraufführung, war Gerald Eckerts in Zeitraum zwischen 2004 und 2008 entwickelte „Studie Nelly Sachs“, die acht der neun Musiker vereinte. Nicht nur der doch ungewohnt orchestrale Rahmen, der noch durch den Komponisten als Dirigenten ergänzt wurde, auch die dem „musikalischen Klang“ der Dichterin Nelly Sachs sehr angemessene Tonsprache faszinierten. Das Werk das auch für die momentan eingespielte neue CD von Gerald Eckert vorgesehen ist stimmt auch den Komponisten sehr zufrieden: „Ich bin ziemlich glücklich mit dieser Komposition“ gesteht er. Wie bei ihm üblich, arbeitet auch diese Studie stark mit dem Raumklang und feinen bis gewaltigen Dynamikübergängen. Eckert vermag es wie kaum ein anderer Komponist den Raum und die scheinbarere Stille zum Teil des Klangerlebnisses aufzubauen. Seine Musik arbeitet mit bewusst mit atmenden Pausen. So fordert er das Publikum zum intensiven Hören auf. Vielleicht erntete das Werk deshalb soviel Applaus, da jeder Teilhabende seine ganze Konzentration dazu geben musste?Das nächste Konzert findet am 24.5. abends in der St-Nicolai-Kirche statt.

(Markus Feuerstack)

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30. 09. 2007

Neue Musik anders

Eckernförde

Manchmal kommt es anders. Erst musste aus Terminschwierigkeiten das geplante Konzert verschoben werden, dann erkrankt die Bratschistin kurzfristig. Widrigkeiten, die „Virtuosität“ nicht bremsen können. So der Titel der Aufführung im Rahmen der Reihe Neue Musik die mit geänderten Programm und Termin am Sonntag spätnachmittaglich zu Aufführung kam. Beatrix Wagner (Flöten), Eva Ignatjeva (Harfe) und Gerald Eckert (Cello) kamen mit dem Änderungen bestens klar und zelebrierten ein weiteres Highlight der zeitgenössischen Musik. Schwerpunkt, geplanter wie faktischer, waren Werke des Eckernförder Komponisten Gerald Eckert, dessen Tonsprache weit über die Grenzen der Republik zunehmend Anerkennung erfährt. Durch die aufgezwungenen Änderungen wurde das Konzert mit dem unausgesprochenen Untertitel „Wiederhören“ versehen. Vertiefung durch mehrfaches Hören ist gerade in dieser Musikrichtung äußerst wichtig, vielfach fordert die Musik das Publikum nachhaltig, so dass sich durch Wiederholungen viele Stücke erst wirklich erschließen. So wurde Dieter Macks (*1954) Werk „Trio V“ für Flöte, Cello und Harfe bereits im September in Eckernförde zum klingen gebracht und bei dem Konzert am Sonntag in der St.-Nicolaikirche auch doppelt wiederholt aufgeführt. „Klangräume II“ ein Werk Eckerts für Flöte und Zuspielband kannte das Publikum auch bereits, vielleicht wurde es deshalb so begeistert aufgenommen. Selbst in der Neuen Musik gibt es, wenn man die Konzerte der Reihe aufmerksam verfolgt, so etwas wie Hits. Als Kandidat zumindest machte sich das im letzten Konzert erstmals vorgestellte brandneue Werk „Nen VII“ bemerkbar. Flöte, Violoncello und Tonband stellen eine meditative, ja sakrale Stimmung in den Raum die stark die Befindlichkeiten des modernen Menschen reflektieren. Das Werk scheint mit dem Verständnis des Publikums zu wachsen, so dass weitere Aufführungen wünschenswert wären. Aus der Beschäftigung mit dem holländischen Maler und Bildhauer Armando entstand 2005 das Stück „Feld 3“ für Flöte und Harfe von Gerald Eckert. Das mit dem Raum und Raumvolumen arbeitende Werk wurde auch zweimal gespielt. Aber auch Ein- und Erstmaliges erklang. So brillierte Beatrix Wagner mit einem Flötensolowerk von Clemens Gnadenstätter (*1966) „Musik für Soloflöte“ von 1991. Während die Eckernförder Musikerin eine lange Strasse von sieben Notenständern dich bepackt mit Papier aufbaute, erzählte sie wie schwer ihr die Eroberung und Einstudierung dieses Werkes gefallen war. „Viel zu schwierig“ urteilte sie und das gleich mehrfach. Aber der Flötistin, die als Interpretin für neue Musik international anerkannt und begehrt ist und Notenschlachtfelder sogar in seltsamen Handschriften gewohnt ist, eroberte auch dieses Werk. Gnadenstätter, der bei seinem Kompositionsstudium ausgerechnet Flöte als Instrument gewählt hatte, kann stolz auf den donnernden Applaus sein, den das Publikum seinem Werk und der Interpretin zukommen lies.

Auch Gerald Eckert hatte sich ein technisch äußerst grenzwertiges Werk als Solostück für sein Cello ausgewählt. Bernd A. Zimmermann (1918-1970) komponierte kurz vor seinem Freitod das zusammenfassende Stück „Vier kurze Studien“ in dem er neue und äußerst komplizierte Spieltechniken als Ausdruckmittel benutzte. Gerald Eckert zelebrierte mit scheinbarer Leichtigkeit die schwierigen Töne und konnte damit wiederholt beweisen, dass der Cellist dem Komponisten nicht nachsteht.

Am ersten Dezember wird die Reihe „Neue Musik“ unter dem Titel „Fäden“ in der St.-Nicolaikirche fortgesetzt. (fst)

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22-08-07

Beschwingtes Sommerkonzert

Eckernförde

Die renommierte Reihe „Neue Musik“ hat einen offensichtlichen Höhepunkt. Das Sommerkonzert fällt deutlich aus dem Rahmen des sonst Üblichen. Nicht nur das eine Stunde später angefangen wird, die Pause gilt kulinarischen Sinneserfahrungen und das Programm glänzt durch einen sehr eigenen und durchkomponierten Spannungsbogen.

Das Ensemble Reflexion K präsentierte sich mit seinem Konzert „surroundings“ sommerlich heiter mit einem deutlichen meditativen Grundton. Wie schon vor zwei Jahren stand das Land Japan Pate. Insgesamt drei alte japanische Gagakus, die ursprünglich orchestral mit der japanischen Mundorgel shô interpretier wurden, verbanden die Werke zeitgenössischer deutscher und japanischer Komponisten. Die Gagaku Stücke wurden von Eva Zöllner auf dem Akkordeon gespielt, denn dieses Instrument zeigt deutliche Bezüge zu der Mundorgel. Eva Zöllner gelang es das Publikum mit den tief innerlichen Stimmungen einzufangen und durch ihr meisterliches Spiel zu begeistern.

Ein furioses Solo zeigte auch Schlagzeuger Stefan Kohmann am Marimbaphon mit Toshimitsu Tanakas (*1930) „Two Movemensts“ von 1970. Die Musik passte hervorragend zum Sommerthema, die gekonnte Spielweise der lebhaften Klänge wurde mit anhaltenden Applaus belohnt.

Bemerkenswert auch Noriko Kawakamis Werk „Fu-In“ von 1979 für Flöte (Beatrix Wagner), Violoncello (Gerald Eckert) und Marimbaphon. Es wurde als Übergang von dem strengen japanischen Kompositionsstudium zur Fortsetzung in Deutschland geschrieben und verdeutlicht ihren persönlichen Auf- bis Ausbruch hörbar. Die Komponistin, die Eckernförde bereits vor einiger Zeit besuchte, wird demnächst als Stipendiatin in das Schleswig-Holsteinische Künstlerhaus in der Ottestrasse einziehen.

Als einziges Werk mit elektronischer Beteiligung und ein deutlicher Höhepunkt des musikalisch so vielseitigen Abends, erklang „Nen VII“ von Gerald Eckert. Sehr ruhige und getragene Klänge mit tief meditativen Charakter produzierten Flöte und Cello. Teilweise war der Übergang von Tonbandklängen und den natürlichen Instrumenten nicht wahrnehmbar – im Raum webten nur Töne von bizarrer und ansprechender Schönheit. In seiner stimmungsvollen Dichte und mit einem warmen und tiefgehenden Grundklang wurde Gerald Eckerts neues Meisterwerk als sehr neue Kirchenmusik erfahrbar, die viele Schichten der Seele des im Leben stehenden zeitgenössischen Menschen musikalisch präsentierte.

Als großartiger Schlusspunkt eines erfreulich wechselvollen Konzerts wurde Peter Gahns (*1970) Werk „ink, colours and gold on paper II+III- surroundings II“ wiederaufgeführt. Wer die Töne die vor zwei Jahren am selben Ort erklangen noch im Ohr hatte, dürfte sichtlich überrascht gewesen sein. Inzwischen hat die Komposition sich weiter entwickelt und zeigte neue Klangerlebnisse auf. Das Werk, das vom Ensemble Refexion K in der Besetzung Beatrix Wagner (Flöten), Eva Zöller (Akkordeon), Gerald Eckert (Cello) und Stefan Kohmann (Schlagzeug) meisterhaft gespielt wurde bildete den Erfahrungsprozess des anwesenden Komponisten deutlich ab. Das durch viele Sommergäste reichlich verstärkte Stammpublikum der besonderen Musikreihe nutze die Gelegenheit nach dem Konzert noch im Turmcafé mit den Musikern zu plaudern und die leckeren Schnittchen von Gisela und Sven Wlassack zu genießen. (Markus Feuerstack)

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7.8.2007

Musikalischer Reimport auf Weltstadtniveau

Eckernförde

Das Eckernförder Ensemble Reflexion K ging auf Reisen. Nicht zur Erholung, sondern einer Mission gehorchend. Die Neutöner um Beatrix Wagner (Flöten) und Gerald Eckert (Kompositionen und Cello) brachten als „Deutschlands nördlichstes Neue-Musik-Ensemble (Kölner Stadt Anzeiger) Eckernförder Avantgarde in die Großstädte. Berlin, Köln Düsseldorf – Stationen einer Reise mit musikalischen Impressionen. Und mit neuen, diesmal japanisch inspirierten Tönen. Mit dem Programm „Sourroundings – Räume, Flächen und Momente“ eroberten Beatrix Wagner, Gerald Eckert und Eva Zöllner (Akkordeon) und Stefan Kohmann (Schlagzeug) neue, teilweise ungewohnte Spielorte. Während japanische Kulturinstitute noch eher gewöhnlich anmuten, auch wenn dem Publikum beim lauschen der zeitgenössischen Klänge Aufsichten auf einen gepflegten japanischen Garten geboten wurden (Berlin). Oder es, wie in Köln, mit genialen Licht und überragender Akustik verwöhnt wurde. Sicher viel experimenteller war der Auftritt der Musiker im „Buddha Bay Club“ in Düsseldorf, wo Aquarium und Klimaanlage dem ungewohnten Diskoambiente noch weitere Komponenten zufügten. Aber in allen drei Städten war das Publikum angetan von den Nordbotschaftern der zeitgenössischen Musik und ihren japanischen Programm. Ruhender Pol und sehr traditionell sind die Gagaku Stücke, die bereits über 1000 Jahre alt sind. Ursprünglich für die japanische Mundorgel geschrieben werden die Zwischenspiele von Eva Zöllner auf dem Akkordeon interpretiert. Dazu gesellen sich Werke von modernen japanischen Komponisten von 2001 bis 2003. In Eckernförde, wo das Programm am 22. August als Sommerkonzert um 21 Uhr (!) in der Nicolai-Kirche zu hören sein wird, gibt es alte Bekannte wieder zu entdecken. Der Münsteraner Komponist Peter Gahn war bereits 2005 in Eckernförde zu hören und zu erleben. Er wird hier diesmal mit „ink, coulours and gold on paper II+III – surroundings 2“ (2005/6) für Flöte, Akkordeon, Violoncello, Schlagzeug vertreten sein. Auch seine japanische, in Deutschland lebende Kollegin Noriko Kawakami hat Eckernförde schon musikalisch und physisch besucht. Sie steuert zu Sommerkonzert ihr Werk von 1979: „FU-IN“ (1979) für Flöte, Violoncello und Marimba bei. Natürlich darf Gerald Eckert als Komponist nicht fehlen, soll das Programm beim heimischen Publikum Anklang finden. Sein Werk für diesen Abend heißt: „Nen VII“ (2007) und wird von Flöte, Violoncello und Tonband interpretiert. Es ist sicher, das die in Eckernförde so beliebte neue Musik auch einen Tag nach dem Joe Cocker Konzert ihre Freunde finden wird.

Konzertdaten:Surroundings – Räume, Flächen und Momenteensemble Rlexion K: Beatrix Wagner (Flöte), Eva Zöllner (Akkordeon), Stefan Kohmann (Schlagwerk), Gerald Eckert (Violoncello / Klangregie) Sommerkonzert in der St-Nicolaikirche am Mittwoch den 22.8. 2007 um 21. Uhr in der St.-Nicolai-Kirche.Programm:Gagaku „Hyôjô no chôshi“ (traditionell japanisch)Fassung für Akkordeon

Gerald Eckert „Nen VII“ (2007)für Flöte, Violoncello und Tonband

Gagaku „Sôjô no chôshi“Fassung für Akkordeon

Noriko Kawakami „FU-IN“ (1979)für Flöte, Violoncello und Marimba

— Pause —

Toshio Hosokawa „Bird fragments“ (2003)für Flöte und Akkordeon

Jo Kondo „Twayn“ (2001) für Flöte und Vibraphon

Gagaku „Banshikichô no chôshi“Fassung für Akkordeon

Peter Gahn „ink, coulours and gold on paper II+III– surroundings 2“ (2005/6)für Flöte, Akkordeon, Violoncello, Schlagzeug

(Markus Feuerstack)

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10.06. 2007

Getauschte Neue Musik

Eckernförde

Aus Oldenburg stammt das „oh ton ensemble“, dass am Sonnabend innerhalb der renommierten Reihe „Neue Musik“ in der St.- Nicolai- Kirche auftrat. Die Organisatoren der Eckernförder Veranstaltungen Beatrix Wagner und Gerald Eckert hatten erstmalig einen Auftritt des „Ensemble Reflexion K“ gegen einen Gastauftritt getauscht und somit Möglichkeiten für eine vollkommen andere Instrumentierung eröffnet. Tatsächlich: Die Oldenburger Profimusiker kamen mit viel Elektronik und einer Band-Besetzung: Ulf Mummert an der E-Gitarre, Christoph Hansen mit dem Saxophon, Michael Pattmann an verschiedensten Schlagzeugen und John Eckhardt am Kontrabaß. Mitgebracht hatten die professionellen Musiker ein Durchgefeiltes Programm zeitgenössischer Komponisten mit meditativen klanglichen Charakter. Der künstlerische Leiter der Oldenburger, Eckart Beinke (*1956) steuerte die Komposition „Introversion II“ von 1990 als Auftakt des Abends bei. Erst einmal sehr ungewohnt war die Besetzung mit Saxpophon, E-Gitarre und Kontrabaß für das eingehörte Eckernförder Publikum, das ungewohnt sparsam erschienen war.
Mit zwei Trommeln und einer aufwendigen 4 Kanal – Live Electronic knüpfte die deutsche Erstaufführung von Stephen Davismoon (*1964) „…against the grain“ (1996) klanglich an. Dem Londoner Komponisten und seinem Interpreten, der als Soloschlagzeuger im Stockhausenorchester arbeitet, gelang ein ruhiges und doch spannungsgeladenes Klangmeisterwerk in den Kirchenraum zu projizieren.
Gleich anschließend gab es noch eine weitere Uraufführung: Helmut Oehring (*1961), der als Sohn gehörloser Eltern seine Berufslaufbahn mit einer Bauarbeiterausbildung begann, komponierte 1990 (-2007) das „Rapid-Eye-Movement. Das Werk das zwischen scharfer Bewegung und ausklingender Ruhe einen effektreichen Spannungsbogen erzeugte wurde in der Version für Saxophon, Kontrabass und einem sehr vielfältigen Schlagzeug interpretiert.
Ein aufregendes Duo zwischen 4-Spur-Tonband und einem agilen Tenor-Saxophon wurde im Jahre 2000 unter dem Titel „Siebenschlaf“ von der Kieler Komponistin Kirsten Reese (*1968) erschaffen. Bemerkenswert die feinen humoristischen Untertöne die dem gekonnt gespielten Saxophonpart eine subtile Würze verliehen.
Den Schlussakt eines musikalisch sehr anregenden Abends steuerte der Komponist Gordon Kampe (*1976) bei. Kampe, der unter anderem auch bei dem musikalisch in Eckernförde schon vielfach vertretenen Nicolaus A. Huber studierte, nannte sein Werk von 2006 „7 weiße Bilder“ nach Günther Ueckers Arbeiten. Das Werk wurde von den vier Musikern sehr lebendig und vielfältig in den Raum gestellt. Mit teilweise heftiger Amplitude vollendete die Komposition die Begriffsbestimmung des Programmnamens, den die musikalischen Gäste aus Oldenburg unter den Titel „innehalten“ gestallt hatten. Die Idee, durch einen Austausch neue musikalische Erfahrungen in der Reihe Neuer Musik einzuflechten, hat seine Bewährungsprobe glänzend bestanden und lässt auf weitere spannende Variationen hoffen.
Die Reihe mit Werken der Neuen Musik wird am Mittwoch den 22. August mit einem Japan – Themenabend fortgesetzt. (Markus Feuerstack)


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