… Kulturnotizen

1. JULI 2011

Keine Kunsthalle für Eckernförde

Schandfleck zu Kunsthalle -: Eckernförde wandelt sich. Immerfort. Oft fehlt es im Nahfokus an der Möglichkeit dies zu erkennen. Dort wo die Gerichtsstrasse die Kieler Strasse in Süd und Nord aufspaltet hat sich viel verändert in den letzten Jahren. Beständig geblieben ist die dunkle Ecke mit dem Kiosk und der „Bedürfnisanstalt“.
Als der Kiosk noch ein Kiosk war und bei Michael Zeitschriften, Bücher und Zigaretten über den Tresen geschoben wurden, war es eine kleine Enklave der 60ger Jahre mitten in der Innenstadt. Passt doch: Post, Grundschule, Kiosk und die dunkle und etwas anrüchigen Klos, die einfach so gebaut sind, dass der Geruch von Urin in die Nase steigen muss, wenn man sich nähert. Schmuddelecke, aber geheimnisvoll. Der klotzige Bau des Kiosk mit seiner überzogenen Front trat hinter die Vielzahl der Auslagen zurück – alles war irgendwie funktional und belebt.Der Pächter wechselte, etwas steril lagen kümmerliche Auslagen in dem kleinen Raum und kurze Zeit später stand das Bauwerkchen leer und sah komisch aus. Fritz Schenk, gestaltender Glasermeister hatte einige der bombastischen Dachklötze mit seinen Mosaikarbeiten versehen und das Ensemble strahlte leer noch eine morbide Spannung aus. Früher halt, sehr viel früher.

Dann kam der witzige Plan auf, die Touristik GmbH mit einer Fiale zu versehen, in dem ehemaligen Kiosk, im Herzen der Stadt und 500 Gehmeter von dem eigentlichen Domizil des Dienstleistungsbetriebes entfernt. Die Bewohner Eckernfördes grinsten etwas, wenn das Gespräch auf diesen Plan kam und fragten sich, ob die Schlüssel für die Strandkörbe jetzt im Zuge einer Zwangs-Sight-Seeing-Tour der Innenstadt abzuholen seien.

Eines Tages war der ehemalige Kiosk bepflastert. Nicht mit Werbezettel für Veranstaltungen, dass war er immer, sondern mit aufwendigen und grellen Plakaten in übertrieben kräftigen Farben und Formatfüllend über allen Türen und Fenstern: Die Touristik machte ihren Besitzanspruch lautstark kund und warb für Gross-Veranstaltungen. Laut. Sehr Laut! Neben unzähliger Information mindestens genausoviele Bilder, die kündeten wie diese Stadt in ihren besten Tagen ausschauen kann. Dazwischen, natürlich, dieses hässliche Beutelratten-Fettwanst-Eichhörnchen-Vieh das den armen Bewohnern als eins der vielen Symbole für Eckernförde aufs Auge gedrückt worden war. Die Ecke war endgültig verkommen. Morbide, altertümlich und grell überpointiert zog der Platz Schmierfinken an, die ihre sinnlosen Zeichen mit schwarzer Farbe auf die noch nicht zugeklierten Flächen zeichneten. Einheimische eilten mit schnellen Schritten vorbei und betrachteten konzentriert die Stühle der Gastronomen auf der anderen Seite der Fussgängerzone.

Alles sollte besser werden, die Touristik GmbH wollt einen nennenswerten Betrag von der Stadtverwaltung um den Kiosk-Klo-Komplex aufzuhübschen. Wobei die Eckernförde-Werbefachleute bestimmt nicht ihrer eigene optische Umweltverschmutzung meinten. Der Ratsversammlung war aber dieser, nennenswerte Betrag, zu viel. Die Kassen der Ostseestadt sind klamm, Lochzangen für neue Gürtellöcher haben Hochkonjunktur und praktische Sparideen sind gefragter als protzige Hochglanz Lösungen.

Zu der Zeit, als der Kiosk noch leer stand, trafen sich Künstler aus Eckernförde mit dem Kulturbeauftragten der Stadt. Es wurde überlegt, wie man die Tatsache, dass Eckernförde eine Stadt voller Künstler und Kreativer ist, etwas deutlicher machen könnte. Was nützt es, wenn es reichlich Ateliers und Galerien gibt, jede Menge kleiner aber spannender Veranstaltungen und viele bunte Initiativen – und nur die Kollegen und wenige Einheimische merken es. Natürlich hat die Bevölkerungsgruppe der Kreativen kaum Geld und praktisch keine Lobby. Das Stadtmarketing, soweit überhaupt vorhanden, kümmert sich um Gross-Veranstaltungen, die Stadt ist gepflastert mit Aufstellern einer kommerziellen Disko, Kleinkünstlern, Malern, Fotographen etc. bleiben nur ihre eigenen spartanischen Kanäle. Besucher der Stadt können sich über Kultur nicht informieren, oder müssen dafür hart arbeiten.

Da meckern und kollektiv Leiden nicht so übertrieben fruchtbar ist, wurde die Idee geboren, eine „Eckernförder Kunsthalle“ zu schaffen. Der Begriff sollte sich nicht an den grossen Städtischen Museen orientieren, sondern eher der rheinischen „Trinkhalle“ verwandt sein, wo sich die Bevölkerung Abends trifft und Neuigkeiten austauscht. Der leerstehende, zusehends mehr und mehr vergammelnde Kiosk in der Kieler Strasse wäre doch der ideale Ort. Klein genug und überschaubar, aber auch ausreichend, dass jeder initiativer Kulturtätige mit seinen Infos vertreten sein könnte. Die Künstler würden für funktionierende Öffnungszeiten sorgen, für ansprechende Gestaltung und kompetente Informationen – die Sachkosten müssten gestellt werden. Der Plan, ohne dass er vertiefend mit Politik und Verwaltung besprochen werden konnte, scheiterte daran, dass der damalige Vermieter auf einen solventen Pächter wartete.

Inzwischen hat sich einiges gewandelt. Und wenn die Kioskecke, die inzwischen wieder der Stadt gehört, wieder zur Disposition stehen sollte, könnte man ja mal überlegen…. Natürlich: In die Kategorie „Gross-Laut-Massenhaft“ gehört diese Idee nicht. Aber vielleicht ist Eckernförde inzwischen soweit, das auch Zwischentöne und zartere Qualitäten erkannt und gefördert werden können. Vielleicht. Wir können uns gerne mal darüber unterhalten.

Ps: Inzwischen berichtete die Presse: Der Touristikkiosk wird kommen.

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16. JUNI 2011

Kreative der Region: Ritha Elmholt

Ich möchte Euch eine aussergewöhnliche Künstlerin vorstellen. @Ritha Elmholt, deren kreative Seiten auf Facebook unter @Ritha Elmholt Fanbook

zu finden sind. Ritha hat ein sehr umfassendes Oeuvre, äusserst unterschiedich sind ihre Werke und doch haben sie alles eine gemeinsam: Sie sind überraschend. Ritha schreibt. Geschichten aus der Provinz und vom Leben. Gerne würde ich Euch einige dieser humorvollen, aber nicht platt unterhaltenden Geschichten auf http://blog.fogserv.de/ vorstellen, aber ich habe sie noch nicht gefragt, ob ich das darf. Ihre Geschichten zu beschreiben übersteigt mein sprachliches Vermögen, das ihre ist dafür viel zu einfach und viel zu überraschend, als das es platt zu beschreiben wäre. Aber es gibt ein hübsches Buch „Morgengedeck“, Mohland Verlag, es ist 2004 herausgekommen.

Aber eigentlich malt Ritha Elmholt, die bereit früher unter dem Namnen Roswitha Ceglars Eckernförde kreativ aufgemischt hat. Mich begeistern am meisten ihre sehr freien Arbeiten, auf ungewöhnlichen Untergründen wie Packpackpapier. Vor einigen Jahren arbeitet sie den Tot ihres geliebten Hundes künstlerisch auf, es entstand eine eine Serie mit dem Titel „Picasso im Himmel“, verschiedene Materialien auf Packpapier. Diese Bilder nahm sie mit in die USA, wo sie zwischenzeitlich studierte. Im Handumdrehen waren diese anrührenden Werke verkauft. Ganz stolz bin ich auf einen Engel, der im Umfeld der Serie entstanden ist, und den ich mir „erschlichen“ habe. Jetzt ist er mein und ich gebe ihn nie wieder her!

 

Vor einiger Zeit hat sie an diese Zeichen-Mal-Technik angeknüpft und sie noch sehr erweitert. Die Serie, die mich vom Thema und Art und und vom optischen Anspruch sehr berührt, sind ihre Faustbilder, die teilweise bei Facebook unter @Ritha Elmholt Fanbook zu sehen sind. Ähnlich dazu auch „Passion of Christ“, die Bilder sind auf ihrer Homepage www.elmholt.de anzuschauen.

Für Pferdefreunde ist dort auch einiges aus ihrer Islandserie zu sehen, auch wenn ich mit dem Thema wenig anfangen, beunder ich ihr sicheres Können auch an dieser Stelle.

 

Ich wünsche mir eine kleine gepflegte Ausstellung, vielleicht mit den genannten Serien. Wie üblich in unsere Region fehlt es an Raum und Geld um die Werke würdig und zeitnah einem genussfähigen Publikum vor zu führen. Aber der virtuelle Raum bietet einen dürftigen Ersatz – vorerst.

Ihre findet Ritha Elmholt in der Kultur Monographie Eckernförde
http://www.eckkult.de

über ihre Homepage
http://elmholt.de

und auf den genannten Facebookseiten.

Ihr könnt sie gerne Kontakten, sie ist nicht sonderlich scheu. Und neben deutsch, dürft ihr gerne auch english oder dansk schreiben. Kann sie. (fognin)

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14. JUNI 2011

Eckernförde = Kulturstadt?

„Eckernförde ist eine Künstler & Kulturstadt“

Das hört man von Besucher, Einheimischen und den vielen vielen ansässigen Kreativen der Region rund um die Ostseestadt immer wieder.

Yep. Und warum merkt man davon nichts? Wieso weisen die langweiligen Seiten von der Eckernförder Touristik (http://www.ostseebad-eckernfoerde.de/), die Eckernförder Rathausseite (http://www.eckernfoerde.de) und der dröge Terminkalender darauf nicht hin?

Vielleicht deshalb, weil bei Kulturveranstalten nur seltenst ein Vertreter von Verwaltung oder Politik anwesend ist. Kultur und materielles Überleben nicht als Thema aufgearbeitet wurde oder wird. Und alles, was nicht als Grossveranstaltung Menschenmassen anzieht eben nicht anziehend ist.

Aus einem Selbstversuch der Kreativen sind zwei Initiativen übriggeblieben. Unter http://eckkult.de/ ist eine Kultur Monographie Eckernfoerde im Netz, die über 50 Künstler im Selbstportrait vorstellt. Und unter http://blogg.eckkult.de/ gibt es Veranstaltungstipps.

Natürlich nicht im Auftrag der Stadt und mit öffentlichen Geldern grosszügig unterstützt, sonder initiativ von Betroffenen gestaltet, die anderweitig versuchen müssen ihr Geld zu verdienen. Und natürlich nicht mal von den „offiziellen Seiten“ verlinkt. So ist das in der Kulturstadt Eckernförde, die sich damit den Provinzcharakter zu eigen macht, der auch als Charme begriffen werden kann.

Bald gibt es eine(n) neue(n) Kulturbeauftragte(n). Und wir hoffen mal wieder. Nicht so sehr auf Geld (obwohl?!), sondern auf Unterstützung.

Aber ALLE die Kultur in der Region fördern, weiterbauen, wahrnehmbar machen oder sonstwie unterstützen möchten fordere ich gerne auf, sich bei mir zu melden. Es fehlt an allem, nur nicht an Ideen. Und vielleicht schaffen wir es doch mal, bessere Seite, bessere Infos, bescheidene Druckwerke etc. zu produzieren, damit auch Kulturmenschen aus aller Welt merken: Eckernförde ist eine Reise wert. Ohne Krach, Fress- und Saufveranstaltung und ohne die hässliche Beutelratte, die als „Comic-Eichhörnchen-Ecki“ nur die Phantasielosigkeit ihrer Schöpfer auszeichnet!

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12. JUNI 2011

Kunstgeschrei

@Ruppe Koselleck ist gerne da, wo der Ölmulti nie sein wollte – an den Badestränden der Welt. Ruppe sammelt den Rohöldreck von BP um den Konzern zu übernehmen.

Dreck zu Kunst zu Aktien – so sein Dreisatz.

Wer den @Meisterschüler erst mal gefunden hat, wird ihn nicht mehr los, und hat Freude daran. @Kunstverbesserung Agentur und @Berliner Kunstverein sind Stationen und immer wieder @Takeover BP. Eigentlich kommt man nicht daran vorbei, ein RK Rohbild zu besitzen und damit ein kleines bisschen von BP mit freigekauft zu haben. Also besser jetzt, als später: Ruppes Aktien steigen.

Ruppe in Aktie-on (eigentlich immer)

Lesezeichen:

http://dermeisterschueler.blogspot.com   http://www.dermeisterschueler.de

http://www.berliner-kunstverein.com/   http://www.take-over-bp.com/  

 

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21. JANUAR 2010

fognin ist onartig

onart ( ø~宆) steht für „onanistische Kunst“. Kunst die nichts weiter will, als ihrem Schöpfer zu dienen. Also mir, wenn ich sie gestalte. „Kunst an und für mich“.Ich glaube nicht an Publikum
Meine Erfahrungen mit Ausstellungen sind seltsame. Ich habe drei Einzelausstellungen gemacht, und mich an einigen Gemeinschaftsausstellungen beteiligt. (Als Photograph). Abgesehen, dass sich nur meine Bilder ausstellen lassen, alles andere Probleme bereitet, wenn es an die Wand soll, – was soll das Publikum mit meiner Kunst? Einigen gefällt einiges, anderen nicht. Schön: das ist nicht meine Sache. Weiterhelfen kann mir ein Urteil nicht, jedenfalls nicht von Menschen, die sich selber aussuchen. Interessante Kritiker, an deren Urteil mir etwas liegt, laufen mir nicht zu. Ich muss sie suchen und fragen. Anstrengende Sache, die sich meist lohnt.

Die Bilder (bleiben wir mal beim Photographen, das ist einfacher) die ich mache, verkaufen sich nicht. Einmal habe ich es ernsthaft versucht. Abgesehen davon, dass ich Probleme habe, wenn andere an meinen Werken mehr verdienen als ich, letztlich kann ich mit den Einnahmen kaum die Materialkosten decken, schon gar nicht die benötigte Technik. Für mich lohnen sich Ausstellungen mit Bilder an den Wänden nicht,- warum soll ich daran teilnehmen?

Soll ich jetzt nur im „stillen Kämmerlein“ werkeln? Nein! Gerne stell ich da, wo meine Kosten gering sind (Internet, an meinen eigenen Wänden, etc.) aus. Wen es erfreut, der soll sich freuen. Wer Geschäfte machen will, kann das gerne auch – wenn ich zustimme.

Wichtig ist für mich, das die künstlerische Entwicklung voran geht. Da ich keine Auftraggeber habe und kaum Kritiker, muss ich meine Ziele in mir finden. Ich arbeite hart daran. Und ich glaube zwar nicht an Publikum, aber ich glaube daran:

Kunst entwickelt die Welt.

Sozial, ästhetisch und auf vielen Ebenen. Am wenigsten dort, wo es sich materiell ausbildet. Viele Kollegen arbeiten mit ihren kreativen Fähigkeiten – sagen wir es ganz naiv – an einer besseren Welt. Je weniger diese Mitgestalter Rücksichten nehmen müssen, um so konsequenter können ihre Werke werden. Gut für sie. Gut für mich, denn ihnen verdanke ich meine Schulung.

Ein Netzwerk für sich selbstverpflichtete Kunst

Kreative Werke, die aus dem kompromisslosen Bemühen um Entwicklung entstehen, haben es sicher materiell schwerer, als solche, die für das Publikum geschaffen wurden. Kreative, die mit mir sich bemühen wollen, Konsequent an „sich selbst verpflichteter Kunst“ zu arbeiten, begrüsse ich gerne in der „Interessengemeinschaft für onanistische Kunst“ kurz

onart / ig (ø~宆 ⁄©)

also

fognin onart /ig

ƒø©~⁄~ ø~宆 ⁄©

(Die pseudophonetische Schrift ist reiner Spielkram, gefällt mir allerdings ausgesprochen gut!)

Danke an Marianne, für die Entwicklung. Danke an SIEMERS für die Begriffskurzfassung!

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5. NOVEMBER 2009

Kulturbettelei

Meine Ablehnung des „Ehren“-Amtes als Entbrotungs-Aktion habe ich an anderer Stelle schon verdeutlicht. Wenn ich darauf verzichte, Museen und andere sehr kostenpflichtige Veranstaltungen zu besuchen, dämpft dies zwar meine Kosten (und meine Lebensqualität), trägt aber nicht zu dem Deckungsbeitrag bei, den ich benötige um z.B. meine Miete zu bezahlen. Aufträge die meinen Lebensunterhalt sichern werden immer weniger. Photos kann auch Tante Elfriede machen, wofür hat sie denn zu Weihnachten die tolle Digicam bekommen? Als Rentnerin freut sie sich doch sicher über ehrenamtliche Aufträge.

Die Texte, die ich gelegentlich für die Zeitung geschrieben habe, fabriziert inzwischen ein Praktikant. Der macht diese Arbeit sehr diensteifrig, hofft er doch auf einen späteren Arbeitsplatz.

Und Webseiten gestalten? Dafür ist ein ehemaliger Kollege zuständig. Nach dem er den Kampf um die raren Aufträge aufgegeben hat, ist er jetzt Hartz-IV Sklave. Dafür darf er für einen Euro jetzt jobben und zum Wohle der Gesellschaft das machen, was er früher für 34 Euro mehr pro Stunde erledigte.

Was bleibt noch zum beklagen? Das BOD mich als Verleger arbeitslos macht? Das stimmt nicht und wäre auch nur normaler kapitalistischer Wettbewerb. Gegen Kapitalismus darf man ja nichts mehr sagen, zumal wenn er nicht subventioniert ist.

Das war die Trauerarie für heute. Jetzt wird gehandelt. Schon seit geraumer Zeit stelle ich unter meinen vielfachen Netzveröffentlichungen einen Link, diesen: fehlt . Das ist Artikel 11…

Die naive Idee dahinter ist, dass jemand der meine kulturellen Ergüsse konsumiert, das unbändige Verlangen haben könnte, mich dafür zu entlohnen. Auch wenn es wenig glaubhaft erscheint: In den letzten 15 Jahren konnte ich zwei- bis drei Überweisungen aus dieser Motivation auf meinem Konto feststellen. Aber Web 2.0 ist anders. Deshalb positioniere ich mich hier und heute als modernen Kulturbettler: Meine Aufsätze kosten für Endverbraucher 1 Euro. Bitte per paypal an tate@euromusikant.de :

„Ey Alder, hastemal nen Euro, ich schreib dich auch was!

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4. NOVEMBER 2009

Was darf Kultur denn kosten (*)

Neulich war ich in Hamburg. Zusammen mit einigen jugendlichen Begleitern im Alter meiner Kinder. Wir freuten uns auf einen Tag voller Großstadt und Kultur. An der Tür der grossartigen Kunsthalle der Hansestadt, kam dann, zumindest für mich, das unangenehme Erwachen: Zehn Euro Eintritt! Die jungen Freunde brauchten nichts zu zahlen. Ich sollte für anderthalb Stunden Schauvergnügen eine Summe zahlen, die auch für einige Tage Lebensunterhalt ausreichen muss.

Einige Zeit vorher in Kiel. Wir waren extra für die spannende Metallausstellung von Eckernförde zur Kunsthalle angereist. Diesmal waren meine Begleiter älter als ich. Den recht hohen Eintritt hatte ich allein in voller Höhe zu entrichten. Mein etwas älterer Freund ist „schwerbehindert“, meine Freundin, die meine Mutter sein könnte, logischer Weise, Rentnerin. Ich bin als Kreativer selbständig, die Mangelhaftigkeit meines Budget wurde oben schon angedeutet. Ich verstehe nicht, warum ich, der nicht mehr Schüler bin und noch nicht Rentner, die beiden anderen Gruppen subventionieren muss.

Angenommen ich würde als Angestellter richtig gut verdienen, bekäme dann die Frage „Wer muss meinen Museumsbesuch bezahlen?“ ein anderes Gewicht? Als Vater von zwei Kindern bezahle ich dann reichlich Steuern und zahle auch in die Rentenkasse nicht gerade kleine Beiträge ein. Und ich sorge für die Kids, von Essen über Kleidung bis Taschengeld, das habe ich aufzubringen. (Übrigens bis vor Kurzem auch ohne gute Einnahmen). Wenn Eltern über die Finanzierung von Kindern ernsthaft nachdenken würden, hätten sie keine. Mit den Steuern wird unabhängig vom Eintrittspreis das notwendige Defizit der Kunsthalle finanziert. Und die Rentenversicherung funktioniert momentan noch, weil es noch Menschen gibt die einzahlen. In dieser Situation wird der Kulturort von immer demselben Personenkreis gleich mehrfach subventioniert. Scheint mir nicht sonderlich gerecht zu sein. Denn….

 

… ich behaupte mal frank und frei, dass Kultur zu den Grundbedürfnissen des Menschen zählt. Und ungehinderter Zugang zur Kultur eigentlich ein Menschenrecht sein müsste. Aber nicht ist, Notabene!

Warum eigentlich nicht? Wie sorgt eigentlich unser Staat für seine Bürger? Was unsere Lobbygesteuerten Berufspolitiker und ihre beamteten Erfüllungsgehilfen wirklich treiben, darüber kann ich noch nicht einmal spekulieren. Und meinen Nerven zuliebe will ich das auch lieber lassen, schliesslich bin ich im besten Herzinfarktalter. Nebenbei: Diese Leute kenne ich nicht (und sie mich auch nicht), sie interessieren sich nur zu Wahlzeiten für Normalbürger.

Es geht auch eine Nummer kleiner. Wir haben neben unserem Land und dem dazugehörigen Bundesland auch unsere kleine Stadt. Deren Politiker kennen meistenteils wenigstens meinen Namen und man grüsst sich auf der Strasse mehr oder weniger höflich.

Diese Politiker sind „Ehrenämtler“ wie sie immer wieder betonen. D.h. sie bekommen nur kleines Geld dafür, dass sie den Kulturausschuss besuchen. Und sie haben bei kommunalen Kulturveranstaltungen (meist) freien Eintritt. Und was unternehmen sie, damit ihr Souverän (vulgo: das Volk) diesen auch erhält?

Sie reden von Finanzierung. Und von Refinanzierung. Von Investoren und zu vermeidenden Belastungen. Im Kulturausschuss, wohlgemerkt. Und solche Bemerkungen wie: In Eckernförde gäbe es bereits genügend Kultur, da müsse man nicht investieren, gibt es als Zugabe. Auch die an anderer Stelle verkündete Idee von einem Kulturkonzept für die Ostseestadt gibt es in diesem Umfeld. Ein Kulturkonzept, in dem man die kulturellen Aktivitäten per Bestandsaufnahme feststellen (lassen?) möchte.

Wir „Kulturbürger“ investieren derweil eifrig in unsere Kinder, ganz ohne externen Investor, Refinanzierung und Bestandsaufnahmen. Und träumen davon, dass zumindest diese mit ihren Kindern ins Museum gehen können. Weil Kultur für alle da ist. In einer fernen, tollen, traumhaft schönen Zeit, in der nicht nur Strassen vierspurig ausgebaut werden, sondern auch die Kulturautobahn. Träum weiter, Demokrat!

 

 

(*) Die Frage wurde hier genauso wenig beantwortet, wie die, wer sie denn eigentlich zahlen soll. „Ich nicht!“ darin sind sich der Kulturauschuss und ich uns wohl einig. Immerhin.

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3. NOVEMBER 2009

Wider das Ehrenamt!

Eine PolemikAnruf bei einem freien (sprich selbstständigen) Journalisten: Ober er einen Artikel schreiben könne, über eine Person des öffentlichen Lebens, ca. 10 Seiten, 5 Fotos….

„Ich schreibe nur für Geld“ so die vorsichtige Antwort des Schreiberlings. „Bei uns wird alles ehrenamtlich gemacht, sogar das Jahrbuch“ kommt der Konter des Gesprächspartners, der als ehemaliger Beamter eine nennenswerte Pension sein eigen nennt. „Aber es gibt eine Aufwandentschädigung“. Der Journalist überlegt: Kein Auftrag heisst auch keine Einnahmen. Die Zeiten sind mau, längst sind seine monatlichen Verdienste unter den Satz von Hartz IV gesunken. Jeden Monat aufs Neue heisst es Bangen, ob die Miete und der Strom bezahlt werden können. Klar versucht er zu verhandeln, das Angebot der Ehrenmenschen mit Amt lautete auf 200 Euro für 10 Seiten Text mit fünf Fotos. Und der Aufwand? Zwei Gesprächstermine a eineinhalb Stunden plus jeweils eine Stunde Vorbereitung, zehn Stunden Recherche, zwei Fototermine mit insgesamt fünf Stunden, Bildbearbeitung von ca. 60 Fotos zur Auswahl, pro Bild vorsichtig geschätzte 30 Minuten. Sind rund 50 Stunden. Geht auch schneller, aber nicht besser. Der Artikel ist dabei noch nicht geschrieben, die Bänder abtippen lassen kostet auch schon fast einen dreistelligen Betrag.

Ja, 200 Euro sind viel Geld. Fast die halbe Monatsmiete, wenn man den Strom und die anderen Fixkosten einrechnet eher ein Drittel. Wie die Kamera und die Computer bezahlt wurden, dürfte hier ja egal sein? Und womit man die Versicherungen und anderen Kosten leistet, die ein selbständig arbeitender Mensch von seinem Staat aufgebrummt bekommt wohl auch? Die Ehrenämtler sind der vollen Überzeugung, dass das was sie leisten mit ihrem Jahrbuch, ihrem Verein und ihren vielen hundert Stunden unentgeltlicher Arbeit eine Bereichung für die Menschheit ist. Ist es auch, auch ich blättere gerne in ihren Büchern. Doch da, wo diese Menschen, die fast alle einen besonders gesicherten finanziellen Hintergrund haben, andere beauftragen (oder muss man hier schon erpressen sagen? Nein so böse Begriffe gibt es in der heilen Welt der sozial tätigen nicht) für sie zu arbeiten, stimmt das Konzept nicht. Natürlich zahlt dieser Verein an (akademische) Vortragsredner bei Veranstaltungen die üblichen Honorare. Diese Menschen haben den Vorzug bei ihnen nicht Mitglied zu sein, einen festen Arbeitsplatz zu haben und überhaupt nicht erpressbar zu sein. Entweder es wird anständig gezahlt oder der Herr Doktor bleibt zu Hause.

Unser Journalist hat keine Auswahl. Er muss annehmen, egal wie viel Arbeit er für unter drei Euro die Stunde zu leisten hat. Da sein Name unter dem Artikel stehen wird, kann er sich auch nicht mit oberflächlicher und schlampiger Arbeit aus der Affäre ziehen. „Scheiss Kapitalismus!“? Neinja! Die sogen. „soziale“ Marktwirtschaft funktioniert mit dem Bild einer Vollbeschäftigung, in der gut versorgte Bürger in ihrer Freizeit sinnvolles für das Gemeinwohl leisten können und sollen. Leider haben sich die Zeiten geändert. Das Heer der Arbeitslosen, die mit Garantie nie wieder einen Job finden werden, ist Legion. Hartz IV Empfänger sind besser versklavt durch Bürokratie und Amputation ihrer Würde als die lebendige Ware auf antiken Märkten. Damals wie heute ist diese Unterdrückung und Ausbeutung streng im Rahmen des Gesetzes. Aber diejenigen die solche Gesetze machen singen das hohe Lied des Ehrenamtes: Sie sind nicht betroffen und werden es nie sein. Betroffen sind Kleinunternehmer und Angestellte, die auch wenn sie heute noch einen Job ihr Eigen nennen, morgen vielleicht schon die Seiten wechseln müssen. Und dann erst mal gezwungen werden ihre Ersparnisse, die sie für die Ausbildung der Kinder sich abgerungen haben, aufzufressen. Dann sind diese sogar froh, für drei Euro die Stunde arbeiten zu dürfen. Natürlich findet das bürgerliche, durch beamtung gesicherte Mittelfeld ihre Welt in Ordnung. Sie haben ja diese Politiker auch gewählt, werden es wieder tun und sind mit sich, ihrem Ehrenamt (für das vielleicht sogar mal einen Orden gibt!) vollkommen zufrieden. Das ist eine Ehre. Ist es auch eine Ehre für den (un)genannten Verein hungern zu dürfen?(fst)

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01. November 2009

fognins Kulturnotizen

Kultur ist keine refinanzierbare Investition, sonder eine Notwendigkeit wie Essen. Kultur ist Bestandteil des Lebensglückes. Genau wie bei der Nahrungsaufnahme, kommt der Mehrwert der Kultur auf anderer Ebene aber zwangsläufig zurück. Da Kultur allen offen steht, die sie sich leisten können, sollten Politiker endlich begreifen, dass Investition in Kultur sozial ist. Kultur ist nicht vom Konsumenten zu bezahlen, sondern von der Gemeinschaft, damit jeder sie nutzen kann. Und Produzenten von Kultur, also Künstler müssen leben können, um diese Sozialität zu schaffen. Ergo muss die Gemeinschaft die Künstler ernähren, damit die Gemeinschaft Nutzen davon hat. Kultur als elitäre Angelegenheit Begüteter verhindert, dass weniger Privilegierte Zugang zur Kultur finden.

Ziel jegliche Politik sollte es sein, das Lebensglück der Bevölkerung zu mehren, nicht zu mindern. Ob Politiker das wissen?

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29. OKTOBER 2009

Für lebenslange Pubertät

– ein Tagebuch Manifest

von fognin

Solche Männer und ihresgleichen sind geniale Naturen, mit denen es eine eigene Bewandtnis hat, sie erleben eine wiederholte Pubertät, während andere Leute nur einmal jung sind. […] Daher kommt es denn, dass wir bei vorzüglich begabten Menschen auch während ihres Alters immer noch frische Epochen besonderer Produktivität wahrnehmen, es scheint bei ihnen immer einmal wieder eine temporäre Verjüngung einzutreten, und das ist es, was ich eine wiederholte Pubertät nennen möchte

Goethe, Eckermann, 11.3.1828

„Ich bitte euch bei dieser Gelegenheit von ganzem Herzen: Vergeßt eure Kindheit nie! Versprecht ihr mir das? Ehrenwort?“

Erich Kästner, Vorwort zum „Fliegenden Klassenzimmer“

….

Ich will nicht wieder jugendlich sein. Nur die Unbeschwertheit, das Lockere und das umfassende Gottvertrauen meiner früheren Jahre vermisse ich sehr.

Dieses ist es, warum ich Jugendliche schätze und suche: Sie haben Fragen, nicht Antworten. Fragen an die Welt, an das Leben, Fragen an sich selbst. Sie sind offen, für alles was als Antwort sich anbietet und nichts – oder zumindest sehr wenig – wird von vorneherein als „Unmöglich“ verworfen. Dies ist auch mein ideeller Entwurf, nach dem ich versuche zu denken und moralische Vorstellungen und Handlungen zu entwickeln. Meist wir „Altersweisheit“ gesucht, wenn es um Ratschlüsse geht. Ich suche „Jugendweisheit“, oder eigentlich die Fähigkeit, durch Fragen zu erkunden und unvoreingenommen betrachten zu können. Nicht auf die vorgedachte Lösung zurück zu greifen, sondern durchaus ungewöhnlich und experimentell zu handeln. Das bringt die Welt weiter.

Das Alter ist konservativ, Jugend progressiv. Wer macht sich denn Gedanken über die Umwelt, den Ausgleich von arm und reich, über Frieden und Gerechtigkeit? Die alten Säcke meines Jahrgangs haben sich längst angepasst, auch wenn sie sich oft noch für die gewesenen Revolutionäre halten. Wen stört es von uns den wirklich noch, das der Strom aus der Steckdose kommende Generationen und ihre Umwelt für immer verseucht?

Gesellschaftlich gilt es als selbstverständlich Jugendliche zu belehren, sie mit Meinungen und (Vor-)Urteilen voll zu stopfen und sie möglichst schnell so dröge, phantasielos und angepasst zu machen, wie es die Belehrenden selbst sind.

Die Idee, Jüngere wirklich zu befähigen, weiser, klüger, und „besser“ zu werden, als man selbst es geschafft hat zu sein, ist nicht sonderlich verbreitet. Sie würde auch eine deutlich andere Haltung voraussetzen: Respekt, Achtung, Ehrfurcht und Neugier im Umgang mit jüngeren Menschen und ein umfassendes Vertrauen. Das schulden wir alte Säcke den schlummernden Fähigkeiten der Nachkommen.

Wie schnell solch eine Haltung Früchte trägt, ist dort zu beobachten wo eine Schule einen solchen Ausnahmelehrer zum Kollegium zählt. Eher wohl bei freien Schulen sind solche seltenen Pädagogen zu finden, da weisungsgebundene Beamte sich wohl kaum über das System erheben können, das sie beschworen haben.

Jugendlich ist für mich ein Mensch, wenn er die Idee entdeckt „selbst sein zu wollen“, also meist mit dem Beginn der Pubertät. (Übrigens nicht zwingend: es gibt junge Menschen, die ihre Jugendlichkeit versäumt haben). Das Bestehende zu hinterfragen, eigene Bedürfnisse zu erleben, zu artikulieren und versuchen sie durchzusetzen ist der Keim des Menschseins. Wer nicht versucht Freiheit zu fassen und nach ihr strebt, hat wesentliche Bestandteile des sich entwickelnden Menschen verloren. Der Drang, Erfahrungen selbst zu machen und so die eigenen Möglichkeiten und Grenzen zu erkunden bzw. zu erweitern, schafft Fähigkeiten und ist somit ein wichtiger und notwendiger Prozess. Diesen gilt es zu fördern und mit Vertrauen und Verständnis zu begleiten. Widerstand aus dem Bestreben Jugendliche vor den Fährnissen des Lebens zu bewahren, behindert diese in ihrer Entwicklung und für mich ein Verbrechen.

„Pubertät ist, wenn die Eltern anfangen schwierig zu werden“ ist nicht nur humoristisch sondern auch programmatisch zu verstehen. Der Jugendliche verändert sich und es stände dem sogen. Erwachsenen gut an, dies zum Anlass zu nehmen, sich auch zu verändern. Und der neuen Situation positiv zu begegnen. Die Gelegenheit von jüngeren lernen zu können kommt in eine wesentliche Phase. Wohl dem, der diese Change zu nutzen versteht. Es könnte der Start in ein entwicklungsfähiges Leben voller Offenheit und Unvoreingenommenheit sein. Lebenslang zu pubertieren also. Für mich ein fester Bestandteil meines Traumes von einer besseren, humaneren, liebevolleren und ehrlicheren Welt!

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